Redebeitrag zum 17. Thüringer Elterntag von Uwe Röpcke
Ehemaliger Gemeinsamer Landeselternsprecher
Elternarbeit in der Schule und für die Schule, als Partner für Erziehung und Bildung
| Dazu ein Handmaterial der LEV für Elternarbeit in der Schule |
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Internetberatung spielt eine zunehmende Rolle:
- Zukunftsnavigator
- Die Nummer gegen Kummer
- Bundeskonferenz für Erziehungsberatung
Redebeitrag zum 17. Thüringer Elterntag
Uwe Röpcke
Ehemaliger Gemeinsamer Landeselternsprecher
Verehrte Teilnehmer des 17. Thüringer Elterntages,
liebe Elternsprecher,
lieber Alex Grimm,
sehr geehrte Herr Staatssekretär Eberhardt, verehrter Herr Dr. Althaus,
wie Sie sehen, ist das mit dem Ruhestand so eine Sache.
Die Landeselternvertretung war der Meinung, ich könne zur Thematik “Elternvertreter, was nun?” aus eigenem Erleben einige Erfahrungen weitergeben.
Ich will mich bemühen, diesem Wunsch gerecht zu werden.
Zunächst möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass der Saal wieder so gut gefüllt ist. Der sich alle zwei Jahre mit den Neuwahlen vollziehende Generationswechsel unter den Elternsprechern Thüringens, ist im Herbst 2006 doch sehr gravierend ausgefallen. Und wie man hörte, war dieser Prozess diesmal schwieriger als sonst. Aber das ist Schnee von gestern! Die Strukturen der Elternvertretungen im Lande stehen und sind arbeitsfähig.
An der heutigen Beteiligung lässt sich jedenfalls ablesen, dass die neue Landeselternvertretung nicht allein da steht, sondern das Engagement der Thüringer Elternschaft ungebrochen scheint, sich in alle Fragen unseres Bildungswesens einmischen zu wollen und sich für die Interessen unserer Kinder einzusetzen.
Herr Staatssekretär, ich stimme Ihrer Presseerklärung zum heutigen Elterntag ohne wenn und aber zu. Ich darf Sie zitieren:
„Eltern sind die wichtigsten Partner der Schule. Das Erziehungsrecht der Eltern hat Verfassungsrang. Die Elternvertretungen sind ein wesentliches Bindeglied zwischen Elternhaus und Schule. Erziehung und Bildung sind nicht aufteilbar. Wir haben alle dasselbe Ziel vor Augen: das Wohl der Kinder. Wir wollen die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern, Schule und den Partnern der Schule stärken. Wir brauchen den Mut zu einer Erziehung, die nicht nur Wissen, sondern auch Werte vermittelt.“ Ende des Zitats.
Recht haben Sie!
Zum Thema.
„Elternsprecher, was nun?
Aus dem mir vorgegebenen Thema habe ich eine gewisse Doppeldeutigkeit herausgelesen oder absichtlich hineininterpretiert.
Sie, liebe Eltern, werden wohl alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich.
Jemand, der Elternsprecher einer Klasse geworden ist, hat entweder bei der Kandidatensuche am Wahlabend nicht rechtzeitig den Blickkontakt zur Klassenleiterin aufgegeben, sich zu häufig kritisch geäußert oder aber sich tatsächlich in einem demokratischen Wahlakt gegen weitere interessierte Mitbewerber durchgesetzt.
Letzteres soll erfreulicherweise immer öfter vorkommen, wie auch die letzten Wahlen im Herbst in Oberhof gezeigt haben.
Meine Erfahrung der zurückliegenden 20 Jahre war jedoch, dass das zuerst beschriebene Prinzip immer noch am häufigsten vorkam. Wie beim Beamtenmikado: Wer sich zu früh bewegt, Respektive, sich zu früh äußert, hatte verloren und war Klassenelternsprecher.
Leider gibt es immer noch die Erscheinung, dass sich Menschen mit ehrenamtlichen Titeln bekleiden lassen und dann in der Versenkung verschwinden. Anwesende natürlich ausgeschlossen!
Eltern an sich, sind schon oft unangenehme Beteiligte an Schule.
Elternsprecher sind erst recht unbequeme Menschen!
Ihre Sympathiewerte bei Lehrern und Schulleitungen übersteigen selten einen gewissen Level. Diese zu erwartende Unbeliebtheit scheint aber dennoch der Beliebtheit, diese Funktion ausüben zu wollen, keinen Abbruch zu tun.
Warum sind Elternsprecher eigentlich unbequeme Leute?
Sie hinterfragen lästig alle Prozesse an der Schule, mischen sich ständig ein und wissen häufig weit besser, was im Schulgesetz steht, als so mancher Beamter im Schuldienst, ganz gleich ob im Schulamt oder auch im Kultusministerium.
Nein nicht nur Schulgesetz, sondern auch Schulordnung und Mitwirkungsverordnung kennen Elternsprecher in und auswendig!
Was steht da?
Anhörungsrecht, Auskunftsrecht, Initiativrecht, Mitwirkungsrecht.
Was also tun mit Menschen, die mit soviel Rechten ausgestattet sind?
Man kommt einfach nicht an ihnen vorbei.
Und siehe da: Schon ist eine konstruktive Partnerschaft geboren.
Auch ich habe Schulleiter kennengelernt, die wie der Sonnengott Ludwig XIV. auftraten. Damit muss man umgehen lernen.
Und wie schafft man das?
In dem man sich zunächst über seine eigenen Rechte als Elternvertreter im Klaren wird. Man kommt nicht umhin, sich Schulgesetz, Schulordnung und Mitwirkungsverordnung unter das besagte Kopfkissen zu legen.
Elternsprecher übernehmen Verantwortung für andere und im Auftrag anderer und erarbeiten sich ehrenamtlich einen stets breiter werdenden Verantwortungshorizont. So wird man Schulelternsprecher, Kreiselternsprecher und Landeselternsprecher.
In einem wird es Ihnen mit Ihren Kindern ähnlich ergehen wie mir.
Meine Kinder haben sehr schnell begriffen, dass sich ihr Vater nicht ständig mit dem Schulleiter oder in Erfurt gar mit dem Minister über ihre schulischen Leistungen unterhalten wollte.
Reden wir nun über die unterschiedlichen Facetten von Elternmitwirkung.
Ganz basisdemokratisch sollten Elternvertreter in der Schulkonferenz die Geschicke, die Entwicklung der eigenen Schule mitbestimmen.
Die Schulkonferenz ist das höchste demokratische Gremium einer Schule. Dies kann nicht oft genug wiederholt und betont werden! In ihr vereinen sich paritätisch die drei an Schule beteiligten Interessengruppen:
Drei Schülervertreter, drei Elternvertreter und drei Vertreter des Lehrerkollegiums.
Der Schulleiter ist nicht stimmberechtigt und in dieser Runde nur Berater und Moderator. Hier kann man ganz demokratisch über einfache Mehrheiten die Entwicklung der Schule entscheidend mitgestalten.
Und nicht nur das.
Bestehen Sie darauf, die vom Schulleiter vorgeschlagene Tagesordnung zu erweitern.
Bestehen Sie auf Protokollierung der Beratungen und Beschlüsse.
Beauftragen Sie den Schulleiter, Entscheidungsträger des Schulamtes oder des Schulträgers mit einzuladen.
So und nur so kommen wir dem Ziel der eigenverantwortlichen Schule näher!
Sein Sie hartnäckig aber kompromissfähig. Elternsprecher sind Gesprächspartner, Ansprechpartner und Vermittler. Elternsprecher sind dialogbereit und dialogfähig. Elternsprecher organisieren und koordinieren. Elternsprecher halten ihre Vorstellungen, Wünsche, Kritiken und Hinweise nicht hinter dem Berg.
Treten Sie verbindlich auf und halten Sie stets die Eltern, die sie gewählt haben, auf dem Laufenden.
Organisieren Sie Diskussionsrunden und Themenabende zu Bildungs- und Erziehungsfragen.
Holen Sie externen Sachverstand hinzu.
Der Klassenelternsprecher lädt zwischen den Wahlen zur Elternversammlung ein. Tun Sie dies stets in partnerschaftlicher Vorabstimmung mit dem Klassenleiter.
Die Schulelternvertretung sollte stets den Schulleiter hinzu bitten.
Der Kreiselternsprecher einer Schulart tagt nie ohne Fachreferenten des Schulamtes und wechselt stets den Tagungsort im Schulamtsbereich von Schule zu Schule.
Ein cleverer Elternsprecher nimmt erst die Wahl an, wenn der Beschluss gefasst wurde, dass ihm alle Kommunikationsverbindungen offengelegt werden.
Heute sind die meisten Eltern per E-Mail erreichbar.
Kein Papier- und Portoaufwand um Einladungen loszuwerden oder mit der Schule, dem Schulamt oder TKM zu kommunizieren.
Degradieren Sie sich nicht zum Einzelkämpfer.
Spannen Sie Stellvertreter und andere Eltern mit ein.
Eltern waren und sind die Hauptakteure bei Schulnetzdebatten und werden allzu oft erst dann als schlagkräftige Partner an der Schule ernst genommen wenn der Schulstandort zur Disposition steht.
Elternsprecher fordern auch Statistiken an.
Wie steht um den Stundenausfall, wie um die Schulschwänzerquote?
Wie steht es um die Prüfungsergebnisse von BLF oder Abitur? Wo steht unsere Schule im Vergleich zu anderen?
Machen Sie sich selbst ein Bild!
Führen alle Pädagogen bereitwillig Elterngespräche?
Welche Elternhäuser sind zu desinteressiert?
Früher hieß es einmal und sollte es heute auch wieder heißen: Alle erreichen, jeden gewinnen, keinen zurücklassen!
Elternvertreter testen mit den Schülern das Schulessen und die Pausenversorgung!
Elternvertreter fordern bessere materielle Ausstattung, bauliche Veränderungen und machen Druck auch mit Unterstützung der Medien – Sportgymnasium Oberhof; Sprachengymnasium Schnepfenthal sind hier herausragende Beispiele.
Machen Sie Vororttermine zur Schulwegsicherheit. Testen Sie den Schülertransport!
Und, und, und…
Soviel zu Tipps an neu gewählte Elternvertreter!
Lassen Sie mich nun noch einige aktuelle Aufgabenfelder der Elternmitwirkung in Thüringen anreißen.
Der 2.Frage folgend: Elternvertreter, was tun?
Zu Zeiten meines aktiven Wirkens als Gemeinsamer Landeselternsprecher war ich um parteipolitische Unabhängigkeit dieser Funktion bemüht.
Dies ist nicht damit zu verwechseln, dass man nicht ein politisch denkender Mensch sei.
Wenn der sozial- und familienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Michael Panse sagt: „Gute Politik muss konsequent vom Kind her denken!“, dann bin ich doch auf seiner Seite!
Dann kann ich nur sagen, dann tun Sie’s doch endlich, Herr Panse!
Es ist doch grotesk: Verbraucherschutzminister Seehofer kündigt aus Berlin die Abschaffung der Umsatzsteuer auf Schulspeisung an. Da bin ich nun auf einmal bei der Linken.PDS, die da sagen: „Dann sollte die Thüringer Landesregierung auch zugestehen, dass die Streichung der Landeszuschüsse zur Schulspeisung ein schul- und gesundheitspolitischer schwerer Fehler war!“ Die Steuereinnahmen sprudeln. Frau Diezl steht die Freude ins Gesicht geschrieben!
Doch wie sieht es in Thüringen aus:
Um Neuverschuldung zu begrenzen und Haushaltslöcher zu stopfen hat man hier 2005 die Landeszuschüsse zur Schulspeisung gleich ganz gestrichen.
Ich sage: Machen wir doch erst mal unsere Kinder satt, Herr Panse!
Man kann mir dies als Polemik auslegen, wenn es nicht alltägliche traurige Tatsache auch in Thüringen wäre, dass Kinder ohne Frühstück zur Schule kommen und statt Mittagessen zu erhalten, im Außenbereich der Schule beschäftigt werden.
Da müssen Elternsprecher unüberhörbar laut werden!
Politik hat sich schon zu sehr daran gewöhnt, dass Restaurants der Herzen, Tafeln und Suppenküchen zum Alltagbild gehören.
Nun wechsele ich nochmals das politische Lager und werde CSU-Sympathisant. Ich nenne nur Bayerns Innenminister Beckstein.
Hier wäre schon längst eine Reaktion und unterstützende Positionierung der Kultusminister wünschenswert gewesen.
Nochmals zur CDU.
Frau Bundesministerin von der Leyhen, übrigens eine tolle Frau und Mutter, will die frühkindlichen Betreuungsangebote deutlich verbessern! Na Klasse!
Ich kann mich aber nicht erinnern, etwas von einer Zu-Hause-Bleib-Prämie gehört zu haben, Herr Panse!
Hier muss Elternmitwirkung ansetzen.
Forderungen an die unmittelbar politisch Verantwortlichen vor Ort formulieren!
Und ich sage: Jawohl Herr Panse. Kindstötungen, Misshandlungen und Verwahrlosung sind inakzeptabel. Doch man muss fragen dürfen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dafür den Boden bereitet haben, welche Politik dafür verantwortlich ist!
Noch einige weitere wenige Betätigungsfelder für Elternengagement:
Die nächste Schulgesetznovellierung ist fällig. Nein, nicht um die Lernmittelfreiheit aus dem Schulgesetz zu streichen, Herr Staatsekretär, über die Sie schon mal gestolpert sind.
Nein – um z.B. Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Schüler wie Elternvertreter von Schulen in freier Trägerschaft Gleichstellung erfahren.
Ich sage nur Präzedenzfall: Landesschülersprecherin (zurückgetreten, weil niemand gemerkt hatte, dass sie von einer Schule eines freien Trägers kam) oder das Wahlchaos im Herbst in mehren Schulamtsbereichen Thüringens bei den Neuwahlen der Elternvertretungen an staatlichen Schulen.
Einige weitere aktuelle Schwerpunkte:
Diskrepanz zwischen Angebot an Lehrausbildungsplätzen und dem tatsächlichen Bedarf abbauen.
13.400 Lehrlingen stehen nur 5.700 offene Stellen gegenüber. Ich habe Berufswahl unseres Jüngsten begleitet. Er hat 60 Bewerbungen für drei verschiedene Berufsbilder auf den Weg gebracht. Suche bundesweit. Drei Berufswünsche: Fachinformatiker für Systemintegration, IT-Systemelektroniker oder Chemielaborant, Vater war Kraftfahrer von Holstein bis Bayern, von Frankfurt am Main bis Ostthüringen. Eignungstests, Vorstellungsgespräche, mehrtägige Praktika, 3.500 km gefahren; weit über 1.500 EUR Kostenaufwand, HJ- Zeugnis Regelschule: Ph1, Ch1, Ma 2, D 2, Engl. 2 – was denn noch!?
Lehrstelle in Thüringen – Fehlanzeige
Lehrstelle ist gefunden – aber nicht im Osten!
Welche Perspektiven hat denn dann noch ein Schüler mit Hauptschulabschluss?
Abwanderung stoppen; Jungen auf das gleiche Bildungsniveau wie Mädchen bringen.
Siehe die jüngste Berliner Studie: Not am Mann!
Aktionismus überdenken: Ich sage nur Girls-Day mit sehr mäßiger Beteiligung!
Die Kammern IHK und HWK machen eine sehr ordentliche Arbeit.
Suchen wir nach besseren Wegen, um mehr Eltern als bisher in die Berufswahldiskussion ihrer Kinder einzubeziehen!
Elternsprecher (ES) müssen Integrationsfragen ausländischer Kinder mit begleiten.
ES müssen Schuljugendarbeit mitgestalten.
ES müssen Projekte der Sucht- und Gewaltprävention unterstützen.
ES stellen sich radikalem Gedankengut offensiv entgegen.
ES müssen Vernetzungen zwischen LEV, Elternverbänden, Elterninitiativen, Familienbündnissen aufbauen und pflegen!
ES unterstützen die Ausgestaltung von Ganztagsangeboten.
ES beteiligen sich an der Reformierung des Kurssystems der gymnasialen Oberstufe.
ES treten für Längeres gemeinsames Lernen ein.
ES hinterfragen unser aussortierendes dreigliedriges Bildungssystem
Liebe Eltern,
ich wünsche Ihnen Durchschlagskraft und nie versiegende Energie.
Es gibt viel zu tun. Packen Sie's an!
Was macht denn eigentlich die Neuauflage der ThILLM-Broschüre „Eltern für Eltern“, Herr Dr. Althaus, auf die wir seit Jahren warten?
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit
Aus dem "Tagesspiegel" vom 17.08.05:
Kein Kinderspiel
Klaus Hurrelmann beschreibt zuerst, wie seit zwei Jahrhunderten die Familie
als Erziehungssystem entmachtet wurde. Errziehungs- und Bildungsleistungen wurden
nach und nach aus dem urwüchsigen, informellen sozialen System „Familie“
in gesellschaftlich organisierte und von professionellen Fachleuten gesteuerte
Systeme ausgegliedert. Damit wurden vormals miteinander vermischte Aufgaben
entflochten , spezialisiert und in gesondert hierfür eingerichtete gesellschaftliche
Institutionen verlagert.
Und diese Entwicklung setzt sich nach Hurrelmann heute ungebremst fort. Er verweist
hier besonders auf die Ganztagsschulen. Wachsende Professionalität auf
der einen Seite - Zurückdrängen der Eltern aus der Erziehung auf der
anderen Seite mit gleichzeitig wachsenden Anforderungen an die Qualität
der Erziehung. Schlussfolgerung:
"Deshalb ist eine Unterstützung der privaten Familienerziehung durch eine professionell angeleitete Elternbildung notwendig geworden."
Auf PISA eingehend, weist Hurrelmann noch einmal darauf hin, dass es die Familie ist, die entscheidende Voraussetzungen für den Erfolg von Lern- und Bildungsprozessen der nachwachsenden Generation schafft. Gerade in Deutschland spiegelt sich die soziale Herkunft eines Kindes in einem ungewöhnlich hohen Maß in seinem Schulerfolg.
Als erfahrener Jugend- und Familienforscher zeigt Hurrelmann auf, wie negativ sich materielle Probleme von Eltern auf die Qualität ihres Erziehungshandelns auswirken." Finanzielle Einschränkungen wirken wie psychisches Gift auf die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Sind Vater oder Mutter arbeitslos, verfügen sie nur über relativ geringe materielle Ressourcen, dann werden sie zu unsouveränen Eltern, greifen häufig zu aggressiven Erziehungsmethoden und verlieren die Fähigkeit zur Strukturierung der Beziehung zu ihren Kindern. Ist das körperliche und psychische Wohlbefinden von Vätern und Müttern unterminiert, dann ist auch ihre Erziehungsleistung schlecht. "
Die Ergebnisse seiner Forschungen weisen nach, dass das in Deutschland keine Einzelfälle sind, sondern ein Massenphänomen." Bis zu 20 Prozent der Kinder in Deutschland leben in vielen Regionen in relativer Armut. Durch diese meist nicht von ihnen verschuldeten gesellschaftlichen Umstände werden Väter und Mütter zu schlechten Eltern."
Seine Schlussfolgerung: "Ein weiterer Grund, der deutlich macht, wie stark die von ihrem Charakter her „private“ Aufgabe von Eltern, ihre Kinder zu erziehen, eine im allgemeinen gesellschaftlichen Interesse stehende, „öffentliche“ Aufgabe geworden ist."
Seiner Auffassung nach sind es etwa ein Drittel der Eltern in Deutschland, die Unterstützung für das so schwierige Erziehungsgeschäft benötigen. Mütterliche Intuition und väterliches Handel nach tradierten Schemata – das reicht in der heutigen Situation nicht mehr aus.
Er weist auf vier Bereiche hin, die auf der Wunschliste der Eltern stehen:
1. konkrete Hilfen, um sich bei Konflikten mit ihren Kindern im Erziehungsalltag sicherer zu fühlen, Erweiterung der elterlichen Handlungskompetenz
2. Informationen über die körperliche, psychische und soziale Entwicklung der Kinder, um zu verstehen, was ihre Kinder jeweils brauchen, d.h. Vermittlung kinderpädagogischen und kinderpsychologischen Wissens.
3. Eltern möchten mehr über über Ursachen von Konflikten und Problemen im Umgang mit ihren Kindern wissen, um ihre soziale Rolle als Vater und Mutter bewältigen zu können.
4. Austausch mit anderen Eltern, um praktische Unterstützung von Menschen zu erfahren, die vor ähnlichen Problemen stehen
Mit "Super-Mamas" und "Super-Nanys"sind sich die Medien der Problematik wohl bewusst, aber da sie gerade die persönliche Lebenssituation der Mütter und Väter unberücksichtigt lassen müssen, ist ihr Hilfsangebot nur sehr allgemein.
"Ein systematisches Training in Verhaltensänderung mag seinen Sinn haben, denn die Entwicklung eines Kindes hängt von der unmittelbaren Art des Umgehens zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind ab. Aber: Dieses Umgehen ist immer in einen sozialen Kontext einbezogen, spielt sich in einer bestimmten Nachbarschaft und in Zusammenarbeit mit Kindergärten, Sportvereinen, Musikschulen, Grundschulen und anderen Institutionen ab. Eltern spüren, wie sehr ihr Kind es lernen muss, sich in diesem gesamten Umfeld zu bewegen, und sie wünschen sich hierfür Anleitung."
Der Markt an an Angeboten für Eltern, orientiert an unterschiedlichen pädagogischen und psychologischen Konzeptionen, boomt. Auch in Thüringen ist Elternbildung nach der Novellierung des Erwachsenenbildungsgesetzes Aufgabe und Teil eines noch breitgefächerten Spektrums an freien Trägern der Erwachsenenbildung geworden, was die Orientierung für viele Eltern nicht einfach macht.
Viele Eltern, und nach unserer Erfahrung bes. die Gruppe mit erhöhtem
Informations- und Trainingsbedarf, sind sogar durch die Vielzahl verschiedener
Anbieter irritiert. Wir unterstützen die Forderung nach zentralen Orientierungs-
und Strukturhilfen sowie nach Qualitätskriterien. Die ehemalige noch unter
dem damaligen Kultusminister D.Althaus in Thüringen geschaffene Elternakademie
hatte diese Kriterien erfüllt. Diese Elternakadmie war kein kommerzieller
Anbieter, der Elternbildung kommerzialisiert und daran profitiert.
Jetzt ist Thüringen auf dem Wege, dass Elternbildung zu einem Gut wird,
dass gekauft werden kann, wenn man dafür bezahlen kann.
Aber wie auch immer - die Angebote der Elternbildung erreichen bestimmte Schichten kaum. Darunter sind allein erziehende Eltern, Eltern aus Großfamilien, Eltern mit Migrationshintergrund, Eltern in relativer Armut, sehr junge Mütter, Eltern mit einem geringen Bildungsgrad und Eltern mit intensiver Berufstätigkeit. Die Erfahrungen der Thüringer Elternakademie bestätigen diese Analyse. Aber die Arbeit der Elternakademie Thüringen bestätigt auch Klaus Hurrelmann:
"Unsere Untersuchungen an der Universität Bielefeld zeigen, wie stark
gerade diese Eltern von einem guten Programm der Elternbildung profitieren.
Aber sie sind ungeheuer schwer erreichbar, vor allem deshalb, weil sie nicht
die Motivation und das Problembewusstsein haben, um sich aus eigenem Antrieb
um ein Elterntraining zu kümmern. Eine wichtige Erkenntnis
aus unseren Untersuchungen: Das Angebot zur Elternbildung sollte in
die Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen direkt
einbezogen sein und dort von den Erzieherinnen und Pädagoginnen
vermittelt werden. Auf diese Weise ist die Barriere nicht so hoch, sich das
Angebot anzuschauen und sich auf einen Elternkurs einzulassen".
Die Thüringer Elternakademie hat zusammen mit PädagogInnen und ErzieherInnen
Elternbildung und Elterntraining realisiert, und das war wohl der Königsweg.
War, denn jetzt ist er zum Feldweg fortentwickelt.
Wie relevant dieses Thema ist und von Sichtweisen her betrachtet werden muss, die sich nicht jeder zu Eigen macht, zeigt uns der streitbare Artikel von H.-W. Graf, Vorsitzender von 'Anthropos e.V. - für die Kinder dieser Welt' , der in Kaliningrad die erste Elternschule aufbaut:
Da säuft sich ein pubertierender 16-Jähriger mit angeblich 52 Gläsern im Rahmen
einer 'Flat-rate'-Saufparty ins Koma, und sofort schreien sich für Volkes Gesundheit zuständig fühlende Politiker reflexartig nach einem 'Jugendverbot für Alkohol'.
Und ebenso eilfertig nehmen sich Medien, insbesondere Talkshows dieses Themas
und der dahinter auernden Phänomenologie der Entartung unserer Gesellschaft an.
Statiert werden darf, daß der Genuß von Alkohol bundesweit - und insbesondere bei Jugendlichen(!) - erfreulicherweise abgenommen hat. Dies ist umso bemerkenswerter, als gerade Sportsendungen bevorzugt von Bier- und Vodkaherstellern gesponsort werden. Dieser ohne erzwingende Gesetze(!) erfolgte Lerneffekt wird völlig vernachlässigt, allenfalls als ergänzendes Apercu in die Diskussion geworfen. Auf die wirklichen Hintergründe und Ursachen dafür, daß eine ganz bestimmte Gruppe Jugendlicher exzessives Saufen als (kurzfristige) Flucht aus ihrer zunehmend öden, inhalts- und perspektivelosen Welt, als cooles Gruppenerlebnis und potentielle Anerkennung generierendes Verhalten erachtet, geht die Legislative ohnehin nicht ein. Dem Gesetzgeber wäre es zum einen zu mühsam, sich in (eigentlich notwendige) komplexe psychologische Erörterungen zu vertiefen, zum anderen verprellten sie damit mutmaßlich gerade die immer größer werdende Wählerschar, deren Versagen sich in den Verhaltensweisen o.g. Jugendlicher niederschlägt - deren Eltern und unmittelbare Beziehungskreise.
Das eigene Bewußtsein teilweise oder gänzlich mit Rauschmitteln (Alkohol oder Drogen) vorsätzlich auszublenden, basiert auf wenigen, gleichwohl starken Motiven:
- Neugier (dem stärksten, natürlichsten und an sich harmlosesten): Nahezu alle unsere Erfahrungen fußen darauf, daß wir etwas (zumindest einmal) tatsächlich selbst ausprobieren, um dessen (Aus)Wirkung(en) zu erfahren, um intellektuell zu verstehen und haptisch wie emotional zu begreifen, worum es dabei geht - mit dem Ergebnis, daß wir es dann oftmals als 'erlebt, aber relativ reizlos' zu den Akten legen.
Diese natürliche und den eigenen Horizont erweiternde Lebenserfahrung ist grundsätzlich zu bejahen. Optimal ist sicherlich, wenn das Kind/der Jugendliche derartige Erfahrungen mit seinen Eltern offen und ehrlich besprechen (vielleicht sogar mit diesen zusammen machen) kann.
Ob es sich dabei um den ersten Genuß von Alkohol handelt (Neujahrssekt, Wein zum Abendessen oder ein gemütliches Bierchen am Abend) oder auch das erste Hasch-Pfeifchen, die ersten sexuellen Kontakte mit dem anderen Geschlecht, etc. - je vertrauensvoller das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist, desto offener und unaufgeregter kann (und wird) der sich ständig erweiternde Lebenshorizont auch jeweils kommuniziert und dann besprochen. Verheimlicht wird jeweils nur, was in irgendeiner Weise mit 'falsch', 'nicht erlaubt', 'böse' oder 'verboten' assoziiert wird - Folge eines angeknacksten Vertrauensverhältnisses zwischen Kind/Jugendlichem und Eltern.
Höchst problematisch - und dann gerinnt die gesunde Neugier zur potentiell strafbewehrten Handlung - ist für das Kind, wenn moralinsauere, in Bigotterie verhaftete, ultimativ angepaßte Eltern sich mehr als 'Ordner der Gesellschaft' denn als 'Begleiter und Lebensertüchtiger ihrer Kinder' verstehen und verhalten.
Ebensowenig als wertvolle Begleiter geeignet sind diejenigen Eltern, deren Horizont nur vom Fernseher bis zum Kühlschrank reicht; daß deren Kinder sich - beinahe natürlicherweise - andere Orientierungen suchen (und dabei nur allzuoft an die Falschen geraten, die vorgaukeln, ihnen genau das zu geben, was sie im Elternhaus nicht bekommen), liegt auf der Hand.
Damit sind wir bei den negativen Motiven, die Kinder/Jugendliche zu Alkohol und Drogen greifen und sogar ins kriminelle Milieu abgleiten lassen:
- Frustration, Hilf- und Perspektivelosigkeit, die vergebliche Suche nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Lob, Liebe, Antworten auf Fragen, Achtung, Verständnis, gemeinsame Erlebnisfelder und Vorbilder (lieber negative als gar keine!).
In dem Maße, in dem sie in anderen Gruppen genau das finden, was sie (völlig natürlicherweise) suchen, aber eben zuhause nicht erfahren, werden sie [unter Hintanstellung emotionaler Bedenken und Gewissensbisse
- ihr Ethos macht sich bemerkbar, aber sie verdrängen es "erfolgreich" mit Alkohol und Drogen] - immer mehr zum Opfer derartiger Ersatze für das von ihnen abgelehnte Elternhaus. Von da aus ist der Weg zur Ablehnung der nächsthöheren Stufe der Sozialität - der Gesellschaft insgesamt - und damit der Weg in die Asozialität nicht mehr weit.
Hierin liegt auch der Schlüssel für den Zuwachs von Jugendbanden, stetig zunehmende Gewalt in immer jüngeren Altersgruppen, (scheinbar unerklärliche) Amokläufe von Schülern (und nie erwachsen gewordenen Älteren), die
zunehmende Flucht von jungen Menschen zu Kirchen und Sekten, Satanskulten und sonstigen Verirrungen, bis hin zu (kollektivem) Terrorismus [ob auf weltlicher (RAF, NPD,etc.) oder religiöser (Kreationisten, Islamisten,etc.) Ebene]
- allsamt hilflose Schreie, eine von Aussichtslosigkeit gejagte Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Lob, Liebe, Ermunterung zu eigenem Handeln, Antworten auf Fragen, Achtung, Verständnis, Gemeinsamkeit,
kurz: ein inhaltsreiches, grundsätzlich positivistisch fundiertes Erleben in seiner Gesamtheit!
Fazit: Mit einem 'Verbot von Alkohol für Jugendliche' schlägt der Gesetzgeber - einmal mehr - den "Sack", obwohl er den "Esel" meint. NIcht 'die Kinder/Jugendlichen' sind die Schuldigen, ja nicht einmal der Alkohol/die
Drogen und sonstige gesellschaftlichen Feindbilder. Es ist die Famile, der primäre Erlebnishorizont im Elternhaus, der darüber entscheidet, ob sich ein Kind/Jugendlicher freudvoll und neugierig-interessiert seinem Leben stellt,
seinen eigenen Lebensplan entwickelt. Neugier führt zu Informationsbedürfnis und Fragen, die nach Antworten lechzen, um zu Erfahrung und Wissen zu gerinnen. Die Breite erworbenen Wissens in verschiedenen Bereichen und Feldern führt letztlich zu Bildung und - Folge erlebter/gelebter Bildung im Alter - zu Weisheit.
Wo aber nun bereits Neugier als störend empfunden und gemaßregelt wird ("Sei nicht so neugierig" heißt übersetzt: "Ich weiß es selbst nicht, bin aber zu bequem, mich schlau zu machen; Du zeigst mir durch Deine Fragen unverschämt auf, wie blöde ich selbst bin. Das untersage ich Dir"), Fragen weder Interesse
wecken noch Antworten bieten, der Bildungsstand der Eltern nahe dem Gefrierpunkt ist, Liebe, Vertrauen und Herzensbildung Mangelware sind, ändert doch ein Gesetz - aufwachen, ihr selbstverliebten, etatistischen Liebesdiener des Populismus'! - nicht das mindeste!
Leistungsverweigerung, kultureller Starre und antisozialer Bockigkeit ist doch nicht mit Gesetzen beizukommen!
Über all dem Wust an (aus ähnlichen Motiven staatsverliebter Politiker verabschiedeten, zum größten Teil aber völlig widersinnigen) Gesetzen verroht und verblödet (siehe nachstehende Originaldialoge) unsere Gesellschaft
- national wie globalisiert! - immer mehr. Dabei wird sowohl die Unfähigkeit der eigentlich Verantwortlichen wie auch die Mitschuld der dies nicht wahrhaben wollenden Politiker immer dichter verbrämt und verkleistert - natürlich
mit hochwohllöblichen, "christlich"-"sozialen"-"humanistischen" Schleifchen versehen.
Nicht Ganztagesschulen und eine gesetzliche Kindergartenpflicht, Rauchverbot, Richtgeschwindigkeit und Mindestlöhne (für indiskutabel geringe Leistung oder wenig Qualifizierte), Tarifverträge und Zwangsmitgliedschaften, Heere von Verwaltungsbüttel und Hunderttausende von Gesetzen für praktisch jede Handbewegung lösen unsere Probleme; der Schlüssel liegt im Erziehung- und Bildungswesen, insbesondere deren erste Ausprägung - im Elternhaus.
Dementsprechend gelte es, potentiellen Eltern Hilfe dabei anzubieten, wie man bei hilflos auf ein l(i)ebenswertes Zuhause angewiesenen kleinen Menschen die Grundlage für ein liebens- und lebenswertes, interessantes und erfolgreiches Leben
zu legen lernt. Nein, nein - das sollt nicht Ihr Politiker tun. Dazu fehlt Euch nun wahrlich jegliche Kompetenz!
Dazu wären 'Elternschulen' geeignet sicherlich vernünftiger für Volkshochschulen, als Bonsai-Kurse anzubieten.
Diese Erfahrung - interessierte Eltern und Jugendliche - erleben wir gerade in Rußland, wo wir mit dem 'Anthropos e.V.
- für die Kinder dieser Welt' die erste Elternschule aufbauen. Warum nicht hier in Deutschland - ohne ein neues Gesetz?!?
H.-W. Graf
Die Landesregierung hat die Elternbildung den freien Trägern als deren Aufgabe zugeordnet und die Mittel der Erwachsenenbildung um nahezu 50% gekürzt. Ein Irrweg oder schlimmer.
Die Kompetenzbögen sind wieder im Gespräch. Natürlich
gehören sie zu den Spitzenleistungen Thüringer Pädagogik.
Die Pädagogen sind begeistert. Das hatte ihnen noch gefehlt. Jetzt haben
sie das ideale Instrument zu einer differenzierten und kontrollierten Förderung
von Lern- und Persönlichkeitsentwicklung in der Dreieinigkeit von Schule
- Elternhaus - Schüler. Und die Eltern sind dabei nicht die im früheren
Elterngespräch ausgemachten Sündenböcke und erzieherischen Versager
sondern angestrebte und geforderte Partner.
Kompetenzbögen haben eine Beratungs- und Förderungsfunktion. Sie sind ein Einschätzungsbogen ohne Noten oder ähnlichen Einschätzungsskalen, sondern sie enthalten Diagnose- und Förderhinweise, die zu einer Zielvereinbarung zwischen Schule, Schüler und Erziehungsberechtigten führen.
Sie sind aus der Zielsicht und dem Kompetenzmodell der Thüringer
Lehrpläne erwachsen, die deutschlandweit Beachtung fanden und deshalb sind
ihnen Konsequenzen für den Unterricht immanent. Diese betreffen die Gestaltung
von Unterricht und implizieren die Aufgabenstellung, den Unterricht so zu gestalten,
dass er dem Schüler ermöglicht, Sach-, Methoden- Selbst- und Sozialkompetenz
zu entwickeln und anzuwenden. Zudem sind Arbeits- und Lernformen für selbstständige
Einzel- und Gruppenarbeit notwendig u.a.m. (s.u.).
Ein solches Verständnis von Unterricht schließt Konsequenzen für
die Leistungsbeurteilung notwendigerweise ein. Der Einschätzungsbogen versteht
sich deshalb als eine transparente, differenzierte und schülerverständliche
Art der Rückmeldung zur Kompetenzentwicklung. Und jeder versteht auch,
dass hier auf die Prozesshaftigkeit des überfachlichen Lernens abgestellt
wird und der Charakter des Einschätzungsbogens als ein Instrument zu verstehen
ist, das Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam betrifft.
Die Einschätzung ist deshalb Ergebnis, Prozess und Ziel eines
gemeinsam gestalteten pädagogischen Prozesses.
Sie ist gemeinsame Gesprächsgrundlage von Beratungen aller 3 Personengruppen:
Lehrende, Lernende und Eltern. Aus den Einschätzungen auf der Grundlage
des vorangegangenen Verlaufs der pädagogischen Prozesse, der Überprüfung
bisheriger Zielvereinbarungen der 3 Partner, der Aufgaben, Ressourcen und Hilfen
werden neue Zielvereinbarungen formuliert, vereinbart und terminisiert.
Ziel dieser Gespräche ist es – bezogen auf die Kompetenzentwicklung
– über die Stärken des Schülers zu informieren und gemeinsam
nach Ursachen für Schwächen oder Defizite, aber auch nach Lösungswegen
für deren mögliche Überwindung zu
suchen.
Die Eltern sollten einen Einblick in den laufenden pädagogischen Prozess
bekommen. Ihnen sollte dargelegt werden, wie die einzelnen Kompetenzen im Unterricht
entwickelt werden und wie der Entwicklungstand und die weiteren Möglichkeiten
des lernenden Schülers in der Erabeitung der angstrebten Kompetenzen sind.
Sie sind in diesen Prozess von ihren Aufgaben und Notwendigkeiten her verbindlich
einzubeziehen. Oft werden Hilfestellungen seitens der Schule notwendig sein,
damit Eltern ihre Partnerrolle erfüllen können.
Die Aussage „Du brauchst noch viel Hilfe, wir werden daran
arbeiten“ ist deshalb als Zusage von Lehrern und Eltern zu verstehen,
an der Zielvereinbarung für einen Schüler auch ihrerseits aktiv mitzuarbeiten.
Die Gespräche, die im Anschluss an die Einschätzungen besonders mit
den schulisch nicht so erfolgreichen Schülern und ihren Erziehungsberechtigten
geführt werden, sollten durch ein Signal des Hilfegebens Ermutigungen und
nicht Entmutigungen verstärken.
Voraussetzung ist jedoch, dass sich die Eltern aktiv in diesen Prozess laufender Arbeit an der Kompetenzentwiclung ihrer Kinder in der Schule einbringen. Dazu müssen sie wissen, inwiefern die Kompetenzbögen und der Umgang mit ihnen ein sehr hilfreiches Instrument für Erziehung und Bildung sind. Aus ihrer Rolle aus dem Unterstützungssystem Elternhaus heraus sind sie dann in der Lage, die in den Kompetenzbögen angelegte Partnerschaft nicht nur passiv hinzunehmen sondern aktiv einzufordern. Und manchmal geht es schon darum, dass die Schule im oben beschriebenen Sinne all das macht, was sie soll.
Sehr ausführlich nachzulesen unter: http://www.thueringen.de/de/tkm/schule/schulwesen/schulentwicklung/kompetenzentwicklung/
- Zusammenarbeit Schule Elternhaus, warum ist es für Lehrer und Eltern
wichtig, gut zusammen zu arbeiten
- Was ist für die Arbeit eines Klassenelternsprechers wichtig zu wissen,
was ist ihm zu empfehlen?
- Welche Aufgabe hat er und welche Aktivitäten werden durch ihn initiiert?
Wir wollen diesen neu gewählten Elternsprechern einige Hilfen geben. Das Wichtigste zuerst, denn ein Schuljahr ist schnell vorüber.
Um die in Schulgesetz und Schulordnung festgelegten Aufgaben erfüllen zu können, gibt es einen aus den Erfahrungen langjähriger schulpraktischer Elternmitwirkung gewonnenen Mindeststandard.
Dieser Dialog als Arbeitsprinzip ist so oft wie möglich zu führen, anzustreben oder einzufordern. Der Dialog ist gemeinsam zu reflektieren, weil gemeinsame Erfolgskontrolle gemeinsames erfolgsorientiertes Weiterarbeiten impliziert und initiiert.
Dazu sind gemeinsam vereinbarte Schwerpunkte inhaltlicher Art der Weiterentwicklung
von Schule Voraussetzung.
(Grundlage ThürSchulG u. Verfassung des Freistaates Thüringen §
22 als gemeinsamer Erziehungs- und Bildungsauftrag)
Wenn Lehrer zuvor ihren Frust ablassen, z.B. über Eltern, die zu Hause ihre Kinder nicht mehr unter Kontrolle haben, und Eltern frustriert sind, was z.B an der Schule an Gewalt abgeht, fördert das eigentlich nur das Verständnis, dass beide Gruppen ein gemeinsames Anliegen haben und keiner mehr ohne/ gegen den anderen erfolgreich erziehen und bilden kann.
Zu allem ist noch viel zu sagen. Wir werden diese Hilfen periodisch
ergänzen. Für Ihre Fragen stehen wir wie immer zur Verfügung.
Diese Hilfen sind natürlich für alle Eltern gedacht, die Schule
mitgestalten wollen. Ein Soll - Ist - Vergleich "Wie läuft es denn
an der eigenen Schule" kann evtl. neue Impulse für die Elternarbeit
geben und den "Gewählten" es leichter machen, Verantwortung zu
tragen.
Die LEV hatauch ein Handmaterial für Eltern zur Arbeit in der Schule entwickelt:
Auf einen anderen Aspekt hat die Didacta 2005 hingewiesen,
den wir in der Stuttgarter Zeitung, Nr.35, vom 05.März
2005, Seite 26 , gefunden haben:

Eltern können in dieser Sache Lehrern helfen! Hier wird es begriffen, hier haben wir es gefunden,
Unsere wichtigsten Erkenntnisse aus dem Artikel:
Im Kreis Esslingen wird seit Seit zwölf Jahren wird regelmäßig zu Informationsveranstaltungen für die neu gewählten Elternvertreter der ersten und fünften Klassen eingeladen. Der Leiter des Amtes für Schule und Bildunghält es für sehr wichtig, die neu gewählten Elternvertreter in ihre neuen Aufgaben einzuführen. Schule und Elternschaft nehmen für ihn keine gegnerischen Positionen ein. Die Zusammenarbeit von Schule und Eltern ist notwendig. Wenn deshalb das Amt für Schule und Bildung seit Jahren die 160 neu gewählten Elternvertreter zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammenführt, dann in der Absicht um konstruktive Zusammenarbeit beider Seiten. Die gemeinsame Auffassung dort ist, dass
Elternarbeit heute in den Schulen eine weitaus größere Bedeutung hat als früher. Eltern müssen in das pädagogische Entwicklungskonzept eingebunden werden und Schule hat sich gegenüber den Eltern zu öffnen. Und Schule braucht auch das Feedback der Eltern.
Es geht um die viel beschworene Bildungspartnerschaft, um ein vielfältiges Bildungsangebot, wo Eltern unverzichtbare Partner sind. Und die Bereitschaft der Eltern zur Mitarbeit ist vorhanden. Eltern sind immer hoch motiviert und bereit, Verantwortung in der Schule zu übernehmen, wenn sie konkrete Verantwortung zur Mitwirkung übertragebn bekommen.
IAlle Mitarbeiter des Amtes für Schule und Bildung standen mit Rat und Tat zur Seite, die Gespräche waren sachbezogen - einem Arbeitsfeld, in dem sich Elternvertreter und Lehrer üben müssen. Dazu gab ein Oberpsychologierat den Vätern und Müttern ganz konkrete Tipps und Ratschläge mit an die Hand.
Sich gut abzugrenzen, Mut zu finden, an der richtigen Stelle auch Nein zu sagen, Konflikte zwischen Eltern und Lehrern in einem sachlichen Gespräch zu lösen setzt voraus, dass beide Seiten daran interessiert und dazu bereit sind. Dazu gab es Tipps für konfliktlösende Gespräche.
Selbstverständlich wurden die Elternvertreter ausgestattet mit Adressen und Ansprechpartnern, die allen Elternbeiräten zur Seite stehen, an vorderster Stelle natürlich das Amt für Schule und Bildung beim Landkreis, das sich als Dienstleister für Schulen, Schüler und Eltern sieht.
Unter www.schule-bw.de können Sie nachfragen, ob da nicht eine Menge für Thüringen zu lernen ist.
Der TEV setzt sich seit Jahren für die Mitbestimmung von Eltern in der Schule ein, weil das Recht auf Mitwirkung in der Mehrzahl schon dadurch nicht stattfindet, weil Eltern nicht ernst genommen werden. Die Demotivation von Eltern findet täglich statt. Aus Erfahrungen einer engen Zusammenarbeit von Elternvertretern und dem ehemaligen Staatssekretär Ströbel wissen wir aber, dass die Forderung nach Mitbestimmung keine Utopie ist sondern praktiziert werden kann.
Im Entwicklungsangebot zur eigenverantwortlichen Schule sieht der TEV für Eltern eine große Chance, den Weg einer Schule zu einer modernen Bildungseinrichtung mitzubestimmen. Sie muss nur eingefordert werden.
Ein Elternsprecher berichtet an dieser Stelle, wie erfolgreich eine solche Praxis sein kann.
Zur Person:
Herr Volkert arbeitet an der Regelschule 14 (Schillerschule) in Erfurt als Klassenelternsprecher und Vorsitzender des Schulfördervereins seit vier Jahren. Dazu kam seit dem letzten Jahr die Aufgabe des Schulelternsprechers und seit diesem Jahr die des stellv. Kreiselternsprechers der Regelschulen in Erfurt dazu.
Er ist auch in der Landeselternvertretung tätig und ist engagiert in verschiedenen Ausschüssen der Stadt Erfurt. Er will auf kommunaler Ebene wie auch über das Kultusministerium "... das Bestmögliche für unsere Kinder und Jugendlichen rausholen können. "
Hier sein Bericht:
Unsere Schule hat vor dreieinhalb Jahren im Rahmen von Schulzusammenlegung von drei Regelschulen auch die Möglichkeit in Anspruch genommen, in der ersten Phase der Erprobung von Eigenverantwortlicher Schule in Thüringen beides mit zu verbinden.
Dies war ein schweres und steiniges Unterfangen in der Anfangszeit, was nur gemeinsam mit allen vier Säulen der Schule ( Schüler, Lehrer, Eltern und Partner außerhalb der Schule) gelingen kann. Und aller Anfang war schwer.
Alleine das Lehrerkollegium zu überzeugen war sehr schwer! Denn wir Eltern waren eigentlich sehr früh davon überzeugt, auch in Hinsicht der PISA-Auswertungen, das nur dieser Weg der richtige sein kann, um unsere Kinder besser bilden und schulen und das Interesse an Schule wieder wecken zu können. So haben wir Eltern von Anfang an als gleichberechtigte Partner zu- und mitgearbeitet und wurden in den Profilgruppen, den Lehrerkonferenzen und Schulkonferenzen sofort mit eingebunden und zur Mitarbeit aufgefordert.
So wurden frühzeitig Mängel oder Probleme aufgedeckt, die man seitens der Lehrer oder der Schüler so schnell hätte garnicht sehen können. .
Auch die Schüler waren von Anfang an begeistert dabei und haben viele positive Aspekte von ihrer Seite mit eingebracht, was über einen längenen Zeitpunkt dazu führte, dass Lehrer und Eltern feststellen mussten, dass die Schüler in vielen Schwerpunkten der schulischen Arbeit schon weiter waren, als wir uns eingestehen wollten.
So haben wir über die zurückliegenden Jahre unser Konzept immer wieder überarbeitet und haben heute schon große Erfolge zu verzeichnen.
Es gibt neben den Fachfächern auch ein Fach, was sich "Lernen lernen" nennt, wo den Schülern vermittelt wird, wie man erfolgreich und effektiv lernen kann, weiterhin die Freiarbeit, wo die Schüler selbstständig Aufgaben zu lösen und zu erledigen haben, die Ihnen gestellt werden, um später für die Projektarbeit in den Klassen 9 und 10 gerüstet zu sein.
Auch Fachübergreifenden Unterricht und Blockstundensystem von Schwerpunktfächern sind wir angegangen, wo die Initative von den Schülern kam, da sie mit den 45minütigen Unterricht nicht mehr hinkamen und selber solche Vorschläge machten.
So liegen Schwerpunktfächer meisten an den Vormittagen und andere Fächer an den Nachmittagen der jeweiligen Schultage.
Das Lehrerkollegium ist in Teams unterteilt, um so auch Ausfallstunden gering zu halten. Denn durch die Teams wissen die anderen Kollegen, wie weit man im Lehrstoff der einzelnen Klassen steht und so eben durch fachübergreifenden Unterricht die Kollegen für eine gewisse Zeit ersetzen kann.
Auch haben wir gemeinsam bis Ende Mai in der Schulkonferenz beschlossen, wie wir das neue Schuljahr angehen wollen und wo Schwerpunkte gesetzt werden müssen, um weiter voran zu kommen und in Eigenverantwortlichkeit zu arbeiten.
Das Schulamt ist für uns auch keine übergeordnete Institution mehr, sondern gleichgestellter Partner, mit dem über einen zeitlichen Rahmen von zwei Jahren Zielvereinbarungen abgeschlossen werden. Und in diesen Zielvereinbarungen werden konkrete Aufgaben gestellt, wo auch persönlich Bindungen mit Namen und Hausnummer von beiten Seiten festgelegt werden. So können zumindest wir in unserer Schule dann auch in einem größeren Zeitrahmen planen und effektiv arbeiten.
Dies alles setzt aber am Anfang viel Verständnis von allen Seiten voraus und auch viel Aufopferung und Freizeit, die dabei verloren geht. Aber es lohnt sich, wenn man sich am Schuljahresende die Ergebnisse anschaut und die erfolgreich bestandenen Prüfungen im Haupt- und Regelschulteil.
Wir haben uns auch Partner aus der freien Wirtschaft ins Boot geholt haben, ebenso auch berufsbildende Schulen, damit ab der 5.Klasse schon berufsorientierte Praktikas von 2x 14Tagen im Jahr gemacht werden können, und so die Schüler erstmals Eindrücke bekommen von verschiedenen Berufen und Berufsrichtungen.
Auch so manche Projekte können nur mit Hilfe der Partner aus der freien Wirtschaft ins Leben gerufen werden und dann auch realisiert werden.
Das soll ein kurzer Abriss unserer Arbeit an unserer Schule sein.
Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Henrik Volkert
Unsere Meinung: Mitbestimmung braucht Rahmenbedingungen, verordnet werden kann sie nicht. Hier wächst sie von unten und wir gratulieren Herrn Volkert und seinen Eltern. Macht weiter so.
» BLLV fordert Abschaffung der Zwischenzeugnisse / BLLV-Präsident Wenzel plädiert für verantwortungsvolle „Schulfamilien “/ „Vertrauensvolle Gespräche mit Eltern bringen mehr als Ziffernnoten“
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
(Verbandspresse, 12.02.2008 13:37)
(München) - Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat wenige Tage vor dem Zeugnistermin gefordert, die Halbjahreszeugnisse abzuschaffen. „In der Regel sind die Informationen in diesen Zwischenberichten bekannt. Eltern können gut darauf verzichten“, erklärte Wenzel. „Wichtiger ist es, dass sich Eltern und Lehrpersonen regelmäßig in Gesprächen austauschen und ihre gemeinsame Ver-antwortung für die Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen wahrnehmen.“ Dies setzt eine stabile Vertrauenskultur voraus, die sich in „Schulfamilien“ entwickeln kann. „Wenn die Bildungs- und Erziehungsprozesse für alle Kinder und Jugendlichen gut gelingen sollen, müssen sich alle Erwachsenen im Umfeld der Schule ihrer Verantwortung bewusst sein. Dazu gehören Eltern und Lehrer, aber auch Vertreter der Kommune, der örtlichen Wirtschaft und der Beratungs- und Fürsorgeeinrichtungen. Die gegenseitige Information und Unterstützung in dieser `Schulfamilie´ würde letztlich zu einer Entlastung aller Beteiligten und zu besseren Erziehungs- und Bildungserfolgen führen“.
Wenzel forderte alle Eltern auf, bereits vorhandene Gesprächsangebote der Schule zu nutzen und nicht nur in Konfliktfällen den Kontakt zur Schule zu suchen. „Regelmäßige Gespräche stabilisieren das Vertrauensverhältnis und erleichtern einen offenen Gedankenaustausch.
Durch regelmäßige Kommunikation können mehr Informationen transportiert werden als durch die im Wesentlichen aus ein paar Ziffern bestehenden Zwischenzeugnisse.“
Im Hinblick auf den bevorstehenden Zeugnistermin bat der BLLV-Präsident die Eltern, „das Zeugnis ihrer Kinder nicht über zu bewerten und ihre Zuwendung nicht von Noten abhängig zu machen. Allerdings ist es für Schülerinnen und Schüler wichtig, dass sich die Eltern für ihr Zeugnis interessieren und es ernst nehmen. Wenn sie ihre Freude über gute Noten zeigen, spornen sie ihre Kinder an und motivieren sie. Weniger gute Noten dürfen jedoch nicht bestraft werden. Grundschulkinder reagieren besonders sensibel auf Vorwürfe und Enttäuschung.“
In vielen Familien lösen schlechte Noten Spannungen aus und die Kinder fühlen sich Schuld daran. Der BLLV-Präsident: „Das kann eine starke Last sein, an der Kinder schwer zu tragen haben. Nicht nur, dass sie den Erwartungen ihrer Eltern nicht entsprechen, sie fühlen sich auch verantwortlich für häuslichen Unfrieden, oftmals sogar Streit und Tränen. Eltern müssen sich in so einer Situation klar machen, dass ihr Kind nicht mit Absicht `versagt´ hat. Es leidet selbst am meisten unter seinen schlechten Leistungen.“
Lehrerinnen und Lehrer sind im Moment leider gezwungen, Noten zu vergeben, obwohl sie wissen, dass sie wenig über den tatsächlichen Leistungsstand und individuellen Lernfortschritt eines Schülers aussagen. Auch sie wünschen sich mehr Zeit und leiden unter dem Diktat einer pervertierten, auf Noten und Berechtigungen fixierten Lernkultur.
Eltern und Lehrer können nur gemeinsam an Politik appellieren, endlich umzudenken und die individuelle Förderung aller Kinder in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu stellen. Dazu sind kleinere Klassen und mehr Lehrer/innen erforderlich.
Quelle/Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
eMail: bllv@bllv.de
Internet: http://www.bllv.de
Dass seitens des Kultusministeriums die engagierte Arbeit von Eltern in der Schule für die Schule - im Gegensatz zur Rede des Kultusministers auf dem 4. Thüringer Bildungssymposium - als wenig verdienstvoll angesehen wird, zeigen die Ergebnisse der Auszeichnung mit dem Meister- Eckhart- Brief.
Die Stellungnahme der Landeselternvertretung spricht für sich:
Erklärung der Landeselternvertretung Thüringens
zur Vergabe der Meister-Eckhart- Briefe 2006
Die Landeselternvertretung gratuliert allen Nominierten und bedankt sich im Namen der Thüringer Elternschaft für ihr langjähriges verantwortungsvolles Wirken für die Thüringer Bildungslandschaft.
Dennoch haben wir mit Befremden die diesjährige Preisträgerliste des Thüringer Kultusministers zu Kenntnis genommen. Abertausende Schulklassen haben Klassenelternsprecher.
An fast tausend staatlichen Schulen Thüringens leisten Schulelternsprecher hervorragende Arbeit.
Über 180 Kreiselternsprecher aller sechs staatlichen Schularten wirken auf den Ebenen
der 13 Schulamtbereiche.
Kein im Sinne des Thüringer Schulgesetztes gewählter Elternsprecher Thüringens konnte die Anforderungen der Vergabejury erfüllen.
Stattdessen kommt der Kultusminister nicht umhin, in seiner Presseerklärung vom 04.05.2006 die Bemerkung zu verwenden: „Wobei die Schule allerdings nicht wettmachen könne, was Eltern versäumten.“
Wir halten diese Bemerkung am Vorabend der Auszeichnungsveranstaltung für unangemessen und kommen nicht umhin, sie mit der Ignorierung der ehrenamtlichen Arbeit von abertausenden gewählten Elternsprechern bei der Preisvergabe in Zusammenhang zu sehen.
Ohne Zweifel bestehen Defizite in der Kommunikation zwischen Eltern und Schule.
Ohne Zweifel ist Schule gefordert, Erziehungsversäumnisse im Elternhaus und Defizite bei der Wertevermittlung auszugleichen.
Aber genau das ist in der Gegenwart verstärkt Aufgabe von Schule.
Viele Elternsprecher aus allen Regionen Thüringens werden am 6. Mai am 4. Thüringer Bildungssymposium teilnehmen und sich aktiv an allen Diskussionen um unsere Schule beteiligen.
Auch die Landeselternvertretung.
Bis zum 04.05.2006 war es dem Thüringer Kultusministerium nicht möglich, der Landeselternvertretung die Einladungskarten zum Festakt zuzuleiten.
Der Verleihungszeremonie im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei wird die Landeselternvertretung deshalb demonstrativ fernbleiben.
4. Mai 2006
Uwe Röpcke
Gemeinsamer Landeselternsprecher
2. die neue Landeselternvertretung , die Schülervertretung
Bei Fragen an die neu gewählte Landeselternvertretung wenden Sie sich bitte an:Wahlperiode 2008 – 2010
(Wahltag 15.11.2008)
Als gemeinsamer Landeselternsprecher wurde gewählt:
Hier finden Sie alles zur neuen Landeselternvertretung: http://www.lev-thueringen.de/
Bei Fragen an die neugewählte Landesschülervertretung wenden Sie sich bitte an:
Die neue Landesschülervertretung:
Am 12. Dezember wurde in geheimer Wahl Christoph Zimmermann zum gemeinsamen Vorsitzenden der Landesschülervertretung im Freistaat Thüringen gewählt.
Sie vertreten die Schüler aller Schularten auf Landesebene, sind zwei Jahre im Amt und arbeiten ehrenamtlich:
Die Landesschülervertretung ist über ihre Geschäftsstelle in 99096 Erfurt, Werner-Seelenbinder-Straße 7, Tel. 03 61-37 94 701/702, Fax: 03 61-37 94 690, E-Mail: info@lsv-thueringen.de erreichbar.
Der Bundeselternrat (BER) sieht Eltern und Schule so:
16.11.2003
Der Bundeselternrat sieht in einer gleichwertigen Partnerschaft zwischen Schülern,
Lehrern und Eltern eine wesentliche Voraussetzung für gelingende Bildung
und Erziehung der Kinder und Jugendlichen.
Elternbeteiligung darf keine Alibifunktion haben. Eltern sind für die
Schulen wichtig.
Ohne eine gut funktionierende Partnerschaft zwischen Schule
und Elternhaus können Kinder und Jugendliche nicht optimal gefördert
werden. Dies bestätigen auch die Ergebnisse der PISA-Studie.
Schulen, in denen die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern und Eltern
funktioniert, zeichnen sich durch bessere Leistungen und eine größere
Zufriedenheit der Beteiligten aus.
Verantwortliches Leben, Lernen und Lehren mit Kindern und Jugendlichen stellt
wachsende Anforderungen an Bildung und die Erziehung durch Eltern und Lehrerinnen
und Lehrer.
Die Rahmenbedingungen in den Ländern sind für eine Zusammenarbeit
nicht ausreichend und höchst unterschiedlich. Eltern erhalten zu wenige
Informationen über die Lernentwicklung ihrer Kinder. Die Kontaktaufnahme
zwischen Schule und Elternhaus ist zu stark defizitorientiert und zu wenig
begleitend.
Die gegenseitige Unterstützung und Information hat keine ausreichende
Tradition in Deutschland. Andere Staaten setzen erfolgreich Modelle der Partnerschaft
um.
Die Zusammenarbeit aller muss von gegenseitiger Wertschätzung, respektvollem
Umgang miteinander und Gleichberechtigung geprägt sein.
Der Bundeselternrat fordert deshalb:
Die Diskussion um Erziehung in den Schulen und die Erziehungsvereinbarungen,
die mit den Eltern getroffen werden können, müssen aus einer vertrauensvollen
Zusammenarbeit erwachsen. Erziehungsvereinbarungen müssen freiwillig
und partnerschaftlich ausgehandelt werden. Die Gremien der Schulen sind in
diesen Prozess einzubeziehen.
Neben der Stärkung der einzelnen Eltern müssen die Mitwirkungs-
und Mitbestimmungsrechte der Eltern und Schüler erweitert werden. Dazu
gehören:
- Paritätische Besetzung des über die Angelegenheiten der Schule
entscheidenden Gremiums
- Einbeziehung und Information der Eltern von Schülern, die bereits das
18. Lebenjahr vollendet haben
- Qualifizierung der Eltern durch Fortbildung
- Entwicklung von nationalen Mitbestimmungsstandards
Die Weiterentwicklung des Bildungssystems benötigt professionelle Evaluation
des Systems Schule, damit die Mitbe- stimmungsgremien, die Kultusminister
sowie andere Entscheidungsträger Handlungsgrundlagen erhalten.
Die Tätigkeit der Elternvertretungen bis hin zum Bundeselternrat muss über angemessene Haushalte abgesichert werden.
Die Bedeutung und die Rolle der Elternvertreter erfordert eine entsprechende Würdigung. Deshalb fordert der Bundeselternrat die Anerkennung als öffentliches Ehrenamt
Eine schlechtere Ausbildung von angehenden Lehrern befürchtet die Thüringer Lehrergewerkschaft GEW. Sie warnt besonders davor, dass die derzeit 596 Lehramtsanwärter ab Februar Personallücken füllen.
THÜRINGEN. Lehrer sind auch irgendwann Anfänger. Sie heißen dann Referendare. In Thüringen dürfen sie auch kräftig unterrichten. Neuerdings ganz allein.
Während früher Lehrer-Lehrlingen bei ihren ersten Unterrichtsversuchen ständig erfahrene Lehrer beistanden, soll das jetzt nur noch begrenzt so sein. Ab Februar sollen die Referendare bis zu zehn Stunden pro Woche allein vor der Klasse stehen. Die Folgen sind krass.
Das Kultusministerium teilte den Schulen jetzt mit, dass selbstverständlich die angehenden Lehrer auch Zensuren erteilen. Im Zweifel müsse eben eine Klassenarbeit nochmal geschrieben werden, heißt es. Andreas Stötzer, Lehrer am Otto-Schott-Gymnasium Jena, meint, dass man kein Hellseher sein muss, um vorauszusagen, dass sich dann empörte Eltern beschweren. Schließlich sind die Zugangsbedingungen fürs Gymnasium streng. Viel entscheidet sich an Zensuren und oft muss der Lehrer sagen, ob er dem Schüler ein Abitur zutraut oder nicht. Schwer schon für Profis.
Doch Ärger droht den Referendaren nicht nur von den Eltern, sondern auch von den künftigen Kollegen. Denn die jungen Leute sind billige und die erfahrenen Profis teure Lückenfüller. Wo junge Leute vor den Klassen stehen, werden dann die älteren Kollegen zumindest zeitweise dorthin geschickt, wo schon lange Not am Mann ist, auch in die Berufsschulen. Das Land konnte so eine ganze Menge Neueinstellungen ausfallen lassen. Es spart laut GEW jährlich 165 Lehrerstellen und über 5,4 Millionen Euro.
Die Hintergründe sind leicht erklärt. Der Thüringer Durchschnittslehrer ist 48 Jahre. Tausende gehen bis 2015 in Rente. Doch die Ausbildung ist lang und dauert bis neun Semester. Dann folgt das zweijährige Referendariat. Unsinnigerweise sind dort die Plätze knapp. Das Land verwaltet sie und teilt ein. Von etwa 300 Bewerbern, die Gymnasiallehrer werden wollen, bekamen voriges Jahr 59 einen Platz. 52 Lehrerstudenten gingen an Grundschulen, dabei werden schon nächstes Jahr 155 gebraucht. Und der Bedarf steigt. Das Kultusministerium versucht immerhin zu reagieren. Wurden im vorigen Herbst noch 172 Referendare eingestellt, waren es jetzt mehr als doppelt so viele. Von 424 spricht das Ministerium. Das kann sogar die GEW nicht so schlecht finden. Aber es reicht nicht und die Bedingungen der Ausbildung sind fragwürdig.
"Irgendwann muss es doch auch ein neuer Kollege lernen", heißt es im Ministerium. Nur, von wem eigentlich?
TA, 01.12.06
Eine wichtige Hilfe für Eltern und Pädagogen wurde mit dieser Suchmaschine ins Netz gestellt:
Unter http://www.zukunftsnavigator.de/index.php finden Sie eine Fülle von Informationen zu Bildung und Karriere, und Sie sind aufgerufen, diesen Zukunftsnavigator mit Ihren Netzkenntnissen mitzugestalten.

Das Elterntelefon ist ein bundesweites telefonisches Gesprächs-, Beratungs- und Informationsangebot, das Eltern in den oft schwierigen Fragen der Erziehung Ihrer Kinder schnell, kompetent und anonym unterstützt.
Am Elterntelefon können Sie über ihre alltäglichen Sorgen, Ängste oder Unsicherheiten im Umgang mit Kindern sprechen und Unterstützung bei der Lösung von Problemen erhalten.

Und auf diesen Seiten haben wurde alles Wissenswerte über das Angebot zusammengestellt:
www.nummergegenkummer.de
Immer mehr Jugendliche und Eltern suchen bei Konflikten in der Familie Rat im Netz...
Auch die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) wird immer mehr zur gefragten virtuellen Anspruchstelle: