Eltern und Schule

Redebeitrag zum 17. Thüringer Elterntag von Uwe Röpcke
Ehemaliger Gemeinsamer Landeselternsprecher

Elternarbeit in der Schule und für die Schule, als Partner für Erziehung und Bildung

Internetberatung spielt eine zunehmende Rolle:

- Zukunftsnavigator

- Die Nummer gegen Kummer

- Bundeskonferenz für Erziehungsberatung

Redebeitrag zum 17. Thüringer Elterntag
Uwe Röpcke
Ehemaliger Gemeinsamer Landeselternsprecher

 „Elternvertreter, was nun?“

Verehrte Teilnehmer des 17. Thüringer Elterntages,
liebe Elternsprecher,
lieber Alex Grimm,
sehr geehrte Herr Staatssekretär Eberhardt, verehrter Herr Dr. Althaus,

wie Sie sehen, ist das mit dem Ruhestand so eine Sache.

Die Landeselternvertretung war der Meinung, ich könne zur Thematik  “Elternvertreter, was nun?” aus eigenem Erleben einige Erfahrungen weitergeben.
Ich will mich bemühen, diesem Wunsch gerecht zu werden.

Zunächst möchte ich meine Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass der Saal wieder so gut gefüllt ist. Der sich alle zwei Jahre mit den Neuwahlen vollziehende Generationswechsel unter den Elternsprechern Thüringens, ist im Herbst 2006 doch sehr gravierend ausgefallen. Und wie man hörte, war dieser Prozess diesmal schwieriger als sonst. Aber das ist Schnee von gestern! Die Strukturen der Elternvertretungen im Lande stehen und sind arbeitsfähig.
An der heutigen Beteiligung lässt sich jedenfalls ablesen, dass die neue Landeselternvertretung nicht allein da steht, sondern das Engagement der Thüringer Elternschaft ungebrochen scheint, sich in alle Fragen unseres Bildungswesens einmischen zu wollen und sich für die Interessen unserer Kinder einzusetzen.

Herr Staatssekretär, ich stimme Ihrer Presseerklärung zum heutigen Elterntag ohne wenn und aber zu.  Ich darf Sie zitieren:

„Eltern sind die wichtigsten Partner der Schule. Das Erziehungsrecht der Eltern hat Verfassungsrang. Die Elternvertretungen sind ein wesentliches Bindeglied zwischen Elternhaus und Schule. Erziehung und Bildung sind nicht aufteilbar. Wir haben alle dasselbe Ziel vor Augen: das Wohl der Kinder. Wir wollen die Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern, Schule und den Partnern der Schule stärken. Wir brauchen den Mut zu einer Erziehung, die nicht nur Wissen, sondern auch Werte vermittelt.“  Ende des Zitats.

Recht haben Sie!

Zum Thema.
„Elternsprecher, was nun?

Aus dem mir vorgegebenen Thema habe ich eine gewisse Doppeldeutigkeit herausgelesen oder absichtlich hineininterpretiert.

Sie, liebe Eltern, werden wohl alle ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie ich.
Jemand, der Elternsprecher einer Klasse geworden ist, hat entweder bei der Kandidatensuche am Wahlabend nicht rechtzeitig den Blickkontakt zur Klassenleiterin aufgegeben, sich zu häufig kritisch geäußert oder aber sich tatsächlich in einem demokratischen Wahlakt gegen weitere interessierte Mitbewerber durchgesetzt.

Letzteres soll erfreulicherweise immer öfter vorkommen, wie auch die letzten Wahlen im Herbst in Oberhof gezeigt haben.

Meine Erfahrung der zurückliegenden 20 Jahre war jedoch, dass das zuerst beschriebene Prinzip immer noch am häufigsten vorkam. Wie beim Beamtenmikado: Wer sich zu früh bewegt, Respektive, sich zu früh äußert, hatte verloren und war Klassenelternsprecher.
Leider gibt es immer noch die Erscheinung, dass sich Menschen mit ehrenamtlichen Titeln bekleiden lassen und dann in der Versenkung verschwinden. Anwesende natürlich ausgeschlossen!

Eltern an sich, sind schon oft unangenehme Beteiligte an Schule.

Elternsprecher sind erst recht unbequeme Menschen!
Ihre Sympathiewerte bei Lehrern und Schulleitungen übersteigen selten einen gewissen Level. Diese zu erwartende Unbeliebtheit scheint aber dennoch der Beliebtheit, diese Funktion ausüben zu wollen, keinen Abbruch zu tun.

Warum sind Elternsprecher eigentlich unbequeme Leute?

Sie hinterfragen lästig alle Prozesse an der Schule, mischen sich ständig ein und wissen häufig weit besser, was im Schulgesetz steht, als so mancher Beamter im Schuldienst, ganz gleich ob im Schulamt oder auch im Kultusministerium. 

Nein nicht nur Schulgesetz, sondern auch Schulordnung und Mitwirkungsverordnung kennen Elternsprecher in und auswendig!

Was steht da?
 Anhörungsrecht, Auskunftsrecht, Initiativrecht, Mitwirkungsrecht.

Was also tun mit Menschen, die mit soviel Rechten ausgestattet sind?
Man kommt einfach nicht an ihnen vorbei.
Und siehe da: Schon ist eine konstruktive Partnerschaft geboren.

Auch ich habe Schulleiter kennengelernt, die wie der Sonnengott Ludwig XIV. auftraten. Damit muss man umgehen lernen.
Und wie schafft man das?

In dem man sich zunächst über seine eigenen Rechte als Elternvertreter im Klaren wird. Man kommt nicht umhin, sich Schulgesetz, Schulordnung und Mitwirkungsverordnung unter das besagte Kopfkissen zu legen.

Elternsprecher übernehmen Verantwortung für andere und im Auftrag anderer und erarbeiten sich ehrenamtlich einen stets breiter werdenden Verantwortungshorizont. So wird man Schulelternsprecher, Kreiselternsprecher und Landeselternsprecher.

In einem wird es Ihnen mit Ihren Kindern ähnlich ergehen wie mir.
Meine Kinder haben sehr schnell begriffen, dass sich ihr Vater nicht ständig mit dem Schulleiter oder in Erfurt gar mit dem Minister über ihre schulischen Leistungen unterhalten wollte.

Reden wir nun über die unterschiedlichen Facetten von Elternmitwirkung.

Ganz basisdemokratisch sollten Elternvertreter in der Schulkonferenz die Geschicke, die Entwicklung der eigenen Schule mitbestimmen.

Die Schulkonferenz ist das höchste demokratische Gremium einer Schule. Dies kann nicht oft genug wiederholt und betont werden! In ihr vereinen sich paritätisch die drei an Schule beteiligten Interessengruppen:
Drei Schülervertreter, drei Elternvertreter und drei Vertreter des Lehrerkollegiums.
Der Schulleiter ist nicht stimmberechtigt und in dieser Runde nur Berater und Moderator. Hier kann man ganz demokratisch über einfache Mehrheiten die Entwicklung der Schule entscheidend mitgestalten.
Und nicht nur das.

Bestehen Sie darauf, die vom Schulleiter vorgeschlagene Tagesordnung zu erweitern.

Bestehen Sie auf Protokollierung der Beratungen und Beschlüsse.

Beauftragen  Sie den Schulleiter, Entscheidungsträger des Schulamtes oder des Schulträgers mit einzuladen.

So und nur so kommen wir dem Ziel der eigenverantwortlichen Schule näher!

Sein Sie hartnäckig aber kompromissfähig. Elternsprecher  sind Gesprächspartner, Ansprechpartner und Vermittler. Elternsprecher sind dialogbereit und dialogfähig. Elternsprecher organisieren und koordinieren. Elternsprecher halten ihre Vorstellungen, Wünsche, Kritiken und Hinweise nicht hinter dem Berg.
Treten Sie verbindlich auf und halten Sie stets die Eltern, die sie gewählt haben, auf dem Laufenden.

Organisieren Sie Diskussionsrunden und Themenabende zu Bildungs- und Erziehungsfragen.

Holen Sie externen Sachverstand hinzu.

Der Klassenelternsprecher lädt zwischen den Wahlen zur Elternversammlung ein. Tun Sie dies stets in partnerschaftlicher Vorabstimmung mit dem Klassenleiter.

Die Schulelternvertretung sollte stets den Schulleiter hinzu bitten.

Der Kreiselternsprecher einer Schulart tagt nie ohne Fachreferenten des Schulamtes und wechselt stets den Tagungsort im Schulamtsbereich von Schule zu Schule.

Ein cleverer Elternsprecher nimmt erst die Wahl an,  wenn der Beschluss gefasst wurde, dass ihm alle Kommunikationsverbindungen  offengelegt werden.

Heute sind die meisten Eltern per E-Mail erreichbar.

Kein Papier- und Portoaufwand um Einladungen loszuwerden oder mit der Schule, dem Schulamt oder TKM zu kommunizieren.

Degradieren Sie sich nicht zum Einzelkämpfer.

Spannen Sie Stellvertreter und andere Eltern mit ein.

Eltern waren und sind die Hauptakteure bei Schulnetzdebatten und werden allzu oft erst dann als schlagkräftige Partner an der Schule ernst genommen wenn der Schulstandort zur Disposition steht.
Elternsprecher fordern auch Statistiken an.

Wie steht  um den Stundenausfall, wie um die Schulschwänzerquote?

Wie steht es um die Prüfungsergebnisse von BLF oder Abitur? Wo steht unsere Schule im Vergleich zu anderen?

Machen Sie sich selbst ein Bild!

Führen alle Pädagogen bereitwillig Elterngespräche?

Welche Elternhäuser sind zu desinteressiert?

Früher hieß es einmal und sollte es heute auch wieder heißen: Alle erreichen, jeden gewinnen, keinen zurücklassen!

Elternvertreter testen mit den Schülern das Schulessen und die Pausenversorgung!

Elternvertreter fordern bessere materielle Ausstattung, bauliche Veränderungen und machen Druck auch mit Unterstützung der Medien – Sportgymnasium Oberhof; Sprachengymnasium Schnepfenthal sind hier herausragende Beispiele.

Machen Sie Vororttermine zur Schulwegsicherheit. Testen Sie den Schülertransport!

Und, und, und…
Soviel zu Tipps an neu gewählte Elternvertreter!

Lassen Sie mich nun noch einige aktuelle Aufgabenfelder der Elternmitwirkung in Thüringen anreißen.

Der 2.Frage folgend: Elternvertreter, was tun?
Zu Zeiten meines aktiven Wirkens als Gemeinsamer Landeselternsprecher  war ich um parteipolitische Unabhängigkeit dieser Funktion bemüht.

Dies ist nicht damit zu verwechseln, dass man nicht ein politisch denkender Mensch sei.

Wenn der sozial- und familienpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion Michael Panse sagt: „Gute Politik muss konsequent vom Kind her denken!“, dann bin ich doch auf seiner Seite!
Dann kann ich nur sagen, dann tun Sie’s doch endlich, Herr Panse!

Es ist doch grotesk: Verbraucherschutzminister Seehofer kündigt aus Berlin die Abschaffung der Umsatzsteuer auf Schulspeisung an. Da bin ich nun auf einmal bei der Linken.PDS, die da sagen: „Dann sollte die Thüringer Landesregierung auch zugestehen, dass die Streichung der Landeszuschüsse zur Schulspeisung ein schul- und gesundheitspolitischer schwerer Fehler war!“ Die Steuereinnahmen sprudeln. Frau Diezl steht die Freude ins Gesicht geschrieben!

Doch wie sieht es in Thüringen aus:

Um Neuverschuldung zu begrenzen und Haushaltslöcher zu stopfen hat man hier 2005 die Landeszuschüsse zur Schulspeisung gleich ganz gestrichen.

Ich sage: Machen wir doch erst mal unsere Kinder satt, Herr Panse!

Man kann mir dies als Polemik auslegen, wenn es nicht alltägliche traurige Tatsache auch in Thüringen wäre, dass Kinder ohne Frühstück zur Schule kommen und statt Mittagessen zu erhalten, im Außenbereich der Schule beschäftigt werden.

Da müssen Elternsprecher unüberhörbar laut werden!

Politik hat sich schon zu sehr daran gewöhnt, dass Restaurants der Herzen,  Tafeln und Suppenküchen zum Alltagbild gehören.

Nun wechsele ich nochmals das politische Lager und  werde  CSU-Sympathisant. Ich nenne nur Bayerns Innenminister Beckstein.

Hier wäre schon längst eine Reaktion und unterstützende Positionierung der Kultusminister wünschenswert gewesen.
Nochmals zur CDU.
Frau Bundesministerin von der Leyhen, übrigens eine tolle Frau und Mutter, will die frühkindlichen Betreuungsangebote deutlich verbessern! Na Klasse!

Ich kann mich aber nicht erinnern, etwas von einer Zu-Hause-Bleib-Prämie gehört zu haben, Herr Panse!

Hier muss Elternmitwirkung ansetzen.

Forderungen an die unmittelbar politisch Verantwortlichen vor Ort formulieren!

Und ich sage: Jawohl Herr Panse. Kindstötungen, Misshandlungen und Verwahrlosung sind inakzeptabel. Doch man muss fragen dürfen, welche gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dafür den Boden bereitet haben, welche Politik dafür verantwortlich ist!

Noch einige weitere wenige Betätigungsfelder für Elternengagement:

Die nächste Schulgesetznovellierung ist fällig. Nein, nicht um die Lernmittelfreiheit aus dem Schulgesetz  zu streichen, Herr Staatsekretär, über die Sie schon mal gestolpert sind.
Nein – um z.B. Rahmenbedingungen zu schaffen, dass Schüler wie Elternvertreter von Schulen in freier Trägerschaft  Gleichstellung erfahren.
Ich sage nur Präzedenzfall: Landesschülersprecherin (zurückgetreten, weil niemand gemerkt hatte, dass sie von einer Schule eines freien Trägers kam) oder das Wahlchaos im Herbst in mehren Schulamtsbereichen Thüringens bei den Neuwahlen der Elternvertretungen an staatlichen Schulen.

Einige  weitere aktuelle Schwerpunkte:

Diskrepanz zwischen Angebot an Lehrausbildungsplätzen und dem tatsächlichen Bedarf abbauen. 13.400 Lehrlingen stehen nur 5.700 offene Stellen gegenüber. Ich habe Berufswahl unseres Jüngsten begleitet. Er hat 60 Bewerbungen für drei verschiedene Berufsbilder auf den Weg gebracht. Suche bundesweit. Drei Berufswünsche: Fachinformatiker für Systemintegration, IT-Systemelektroniker oder Chemielaborant, Vater  war Kraftfahrer von Holstein bis Bayern, von Frankfurt am Main bis Ostthüringen. Eignungstests, Vorstellungsgespräche, mehrtägige Praktika, 3.500 km gefahren; weit über 1.500 EUR Kostenaufwand, HJ- Zeugnis Regelschule: Ph1, Ch1, Ma 2, D 2, Engl. 2 – was denn noch!?
Lehrstelle in Thüringen – Fehlanzeige
Lehrstelle ist gefunden – aber nicht im Osten!

Welche Perspektiven hat denn dann noch ein Schüler mit Hauptschulabschluss?

Abwanderung stoppen; Jungen auf das gleiche Bildungsniveau wie Mädchen bringen.

Siehe die jüngste Berliner Studie: Not am Mann!

Aktionismus überdenken: Ich sage nur Girls-Day mit sehr mäßiger Beteiligung!

Die Kammern IHK und HWK machen eine sehr ordentliche Arbeit.

Suchen wir nach besseren Wegen, um mehr Eltern als bisher in die Berufswahldiskussion ihrer Kinder einzubeziehen!

Elternsprecher (ES) müssen Integrationsfragen ausländischer Kinder mit begleiten.

ES müssen Schuljugendarbeit mitgestalten.

ES müssen Projekte der Sucht- und Gewaltprävention unterstützen.

ES stellen sich radikalem Gedankengut offensiv entgegen.

ES müssen Vernetzungen zwischen LEV, Elternverbänden, Elterninitiativen, Familienbündnissen aufbauen und pflegen!

ES unterstützen die Ausgestaltung von Ganztagsangeboten.

ES beteiligen sich an der Reformierung des Kurssystems der gymnasialen Oberstufe.
 
ES treten für Längeres gemeinsames Lernen ein.

ES hinterfragen unser aussortierendes dreigliedriges Bildungssystem 

Liebe Eltern,

ich wünsche Ihnen Durchschlagskraft und nie versiegende Energie.

Es gibt viel zu tun. Packen Sie's an!

Was macht denn eigentlich die Neuauflage der ThILLM-Broschüre „Eltern für Eltern“, Herr Dr. Althaus, auf die wir seit Jahren warten?

Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit

Elternarbeit in der Schule und für die Schule, als Partner für Erziehung und Bildung

Der Thüringer Elternverband fordert seit Jahren die Elternbildung als wichtige Voraussetzung für Mitwirkung und Elternkompetenz in der Erziehung an den Schulen und über die Schulen.
Diese Auffassung des TEV wird jetzt prominent bestätigt. Klaus Hurrelmann fordert Elterntraining an der Schule:

Aus dem "Tagesspiegel" vom 17.08.05:

Kein Kinderspiel

Immer mehr Eltern fühlen sich überfordert. Wie hilfreich ist Elterntraining?

Klaus Hurrelmann beschreibt zuerst, wie seit zwei Jahrhunderten die Familie als Erziehungssystem entmachtet wurde. Errziehungs- und Bildungsleistungen wurden nach und nach aus dem urwüchsigen, informellen sozialen System „Familie“ in gesellschaftlich organisierte und von professionellen Fachleuten gesteuerte Systeme ausgegliedert. Damit wurden vormals miteinander vermischte Aufgaben entflochten , spezialisiert und in gesondert hierfür eingerichtete gesellschaftliche Institutionen verlagert.
Und diese Entwicklung setzt sich nach Hurrelmann heute ungebremst fort. Er verweist hier besonders auf die Ganztagsschulen. Wachsende Professionalität auf der einen Seite - Zurückdrängen der Eltern aus der Erziehung auf der anderen Seite mit gleichzeitig wachsenden Anforderungen an die Qualität der Erziehung. Schlussfolgerung:

"Deshalb ist eine Unterstützung der privaten Familienerziehung durch eine professionell angeleitete Elternbildung notwendig geworden."

Auf PISA eingehend, weist Hurrelmann noch einmal darauf hin, dass es die Familie ist, die entscheidende Voraussetzungen für den Erfolg von Lern- und Bildungsprozessen der nachwachsenden Generation schafft. Gerade in Deutschland spiegelt sich die soziale Herkunft eines Kindes in einem ungewöhnlich hohen Maß in seinem Schulerfolg.

Als erfahrener Jugend- und Familienforscher zeigt Hurrelmann auf, wie negativ sich materielle Probleme von Eltern auf die Qualität ihres Erziehungshandelns auswirken." Finanzielle Einschränkungen wirken wie psychisches Gift auf die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Sind Vater oder Mutter arbeitslos, verfügen sie nur über relativ geringe materielle Ressourcen, dann werden sie zu unsouveränen Eltern, greifen häufig zu aggressiven Erziehungsmethoden und verlieren die Fähigkeit zur Strukturierung der Beziehung zu ihren Kindern. Ist das körperliche und psychische Wohlbefinden von Vätern und Müttern unterminiert, dann ist auch ihre Erziehungsleistung schlecht. "

Die Ergebnisse seiner Forschungen weisen nach, dass das in Deutschland keine Einzelfälle sind, sondern ein Massenphänomen." Bis zu 20 Prozent der Kinder in Deutschland leben in vielen Regionen in relativer Armut. Durch diese meist nicht von ihnen verschuldeten gesellschaftlichen Umstände werden Väter und Mütter zu schlechten Eltern."

Seine Schlussfolgerung: "Ein weiterer Grund, der deutlich macht, wie stark die von ihrem Charakter her „private“ Aufgabe von Eltern, ihre Kinder zu erziehen, eine im allgemeinen gesellschaftlichen Interesse stehende, „öffentliche“ Aufgabe geworden ist."

Seiner Auffassung nach sind es etwa ein Drittel der Eltern in Deutschland, die Unterstützung für das so schwierige Erziehungsgeschäft benötigen. Mütterliche Intuition und väterliches Handel nach tradierten Schemata – das reicht in der heutigen Situation nicht mehr aus.

Er weist auf vier Bereiche hin, die auf der Wunschliste der Eltern stehen:

1. konkrete Hilfen, um sich bei Konflikten mit ihren Kindern im Erziehungsalltag sicherer zu fühlen, Erweiterung der elterlichen Handlungskompetenz

2. Informationen über die körperliche, psychische und soziale Entwicklung der Kinder, um zu verstehen, was ihre Kinder jeweils brauchen, d.h. Vermittlung kinderpädagogischen und kinderpsychologischen Wissens.

3. Eltern möchten mehr über über Ursachen von Konflikten und Problemen im Umgang mit ihren Kindern wissen, um ihre soziale Rolle als Vater und Mutter bewältigen zu können.

4. Austausch mit anderen Eltern, um praktische Unterstützung von Menschen zu erfahren, die vor ähnlichen Problemen stehen

Mit "Super-Mamas" und "Super-Nanys"sind sich die Medien der Problematik wohl bewusst, aber da sie gerade die persönliche Lebenssituation der Mütter und Väter unberücksichtigt lassen müssen, ist ihr Hilfsangebot nur sehr allgemein.

"Ein systematisches Training in Verhaltensänderung mag seinen Sinn haben, denn die Entwicklung eines Kindes hängt von der unmittelbaren Art des Umgehens zwischen Mutter und Kind oder Vater und Kind ab. Aber: Dieses Umgehen ist immer in einen sozialen Kontext einbezogen, spielt sich in einer bestimmten Nachbarschaft und in Zusammenarbeit mit Kindergärten, Sportvereinen, Musikschulen, Grundschulen und anderen Institutionen ab. Eltern spüren, wie sehr ihr Kind es lernen muss, sich in diesem gesamten Umfeld zu bewegen, und sie wünschen sich hierfür Anleitung."

Der Markt an an Angeboten für Eltern, orientiert an unterschiedlichen pädagogischen und psychologischen Konzeptionen, boomt. Auch in Thüringen ist Elternbildung nach der Novellierung des Erwachsenenbildungsgesetzes Aufgabe und Teil eines noch breitgefächerten Spektrums an freien Trägern der Erwachsenenbildung geworden, was die Orientierung für viele Eltern nicht einfach macht.

Viele Eltern, und nach unserer Erfahrung bes. die Gruppe mit erhöhtem Informations- und Trainingsbedarf, sind sogar durch die Vielzahl verschiedener Anbieter irritiert. Wir unterstützen die Forderung nach zentralen Orientierungs- und Strukturhilfen sowie nach Qualitätskriterien. Die ehemalige noch unter dem damaligen Kultusminister D.Althaus in Thüringen geschaffene Elternakademie hatte diese Kriterien erfüllt. Diese Elternakadmie war kein kommerzieller Anbieter, der Elternbildung kommerzialisiert und daran profitiert.
Jetzt ist Thüringen auf dem Wege, dass Elternbildung zu einem Gut wird, dass gekauft werden kann, wenn man dafür bezahlen kann.

Aber wie auch immer - die Angebote der Elternbildung erreichen bestimmte Schichten kaum. Darunter sind allein erziehende Eltern, Eltern aus Großfamilien, Eltern mit Migrationshintergrund, Eltern in relativer Armut, sehr junge Mütter, Eltern mit einem geringen Bildungsgrad und Eltern mit intensiver Berufstätigkeit. Die Erfahrungen der Thüringer Elternakademie bestätigen diese Analyse. Aber die Arbeit der Elternakademie Thüringen bestätigt auch Klaus Hurrelmann:

"Unsere Untersuchungen an der Universität Bielefeld zeigen, wie stark gerade diese Eltern von einem guten Programm der Elternbildung profitieren. Aber sie sind ungeheuer schwer erreichbar, vor allem deshalb, weil sie nicht die Motivation und das Problembewusstsein haben, um sich aus eigenem Antrieb um ein Elterntraining zu kümmern. Eine wichtige Erkenntnis aus unseren Untersuchungen: Das Angebot zur Elternbildung sollte in die Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen direkt einbezogen sein und dort von den Erzieherinnen und Pädagoginnen vermittelt werden. Auf diese Weise ist die Barriere nicht so hoch, sich das Angebot anzuschauen und sich auf einen Elternkurs einzulassen".

Die Thüringer Elternakademie hat zusammen mit PädagogInnen und ErzieherInnen Elternbildung und Elterntraining realisiert, und das war wohl der Königsweg. War, denn jetzt ist er zum Feldweg fortentwickelt.

Klaus Hurrelmann leitet das Institut für Bevölkerungsforschung und Sozialpolitik an der Universität Bielefeld.
Zitate aus dem Tagesspiegel, 17.08.05

 

Wie relevant dieses Thema ist und von Sichtweisen her betrachtet werden muss, die sich nicht jeder zu Eigen macht, zeigt uns der streitbare Artikel von H.-W. Graf, Vorsitzender von 'Anthropos e.V. - für die Kinder dieser Welt' , der in Kaliningrad die erste Elternschule aufbaut:

Gesetzlich verordnete Lebensführung.

Da säuft sich ein pubertierender 16-Jähriger mit angeblich 52 Gläsern im Rahmen einer 'Flat-rate'-Saufparty ins Koma, und sofort schreien sich für Volkes Gesundheit zuständig fühlende Politiker reflexartig nach einem 'Jugendverbot für Alkohol'.
Und ebenso eilfertig nehmen sich Medien, insbesondere Talkshows dieses Themas  und der dahinter auernden Phänomenologie der Entartung unserer Gesellschaft an.

Statiert werden darf, daß der Genuß von Alkohol bundesweit - und insbesondere bei  Jugendlichen(!) - erfreulicherweise abgenommen hat. Dies ist umso bemerkenswerter,  als gerade Sportsendungen bevorzugt von Bier- und Vodkaherstellern gesponsort  werden. Dieser ohne erzwingende Gesetze(!) erfolgte Lerneffekt wird völlig vernachlässigt,  allenfalls als ergänzendes Apercu in die Diskussion geworfen. Auf die wirklichen Hintergründe  und Ursachen dafür, daß eine ganz bestimmte Gruppe Jugendlicher exzessives Saufen  als (kurzfristige) Flucht aus ihrer zunehmend öden, inhalts- und perspektivelosen Welt, als cooles Gruppenerlebnis und potentielle Anerkennung generierendes Verhalten erachtet, geht  die Legislative ohnehin nicht ein. Dem Gesetzgeber wäre es zum einen zu mühsam, sich in  (eigentlich notwendige) komplexe psychologische Erörterungen zu vertiefen, zum anderen  verprellten sie damit mutmaßlich gerade die immer größer werdende Wählerschar, deren  Versagen sich in den Verhaltensweisen o.g. Jugendlicher niederschlägt - deren Eltern und unmittelbare Beziehungskreise.

Das eigene Bewußtsein teilweise oder gänzlich mit Rauschmitteln (Alkohol oder Drogen) vorsätzlich auszublenden, basiert auf wenigen, gleichwohl starken Motiven:
- Neugier (dem stärksten, natürlichsten und an sich harmlosesten): Nahezu alle unsere  Erfahrungen fußen darauf, daß wir etwas (zumindest einmal) tatsächlich selbst ausprobieren, um dessen (Aus)Wirkung(en) zu erfahren, um intellektuell zu verstehen und haptisch wie emotional zu begreifen, worum es dabei geht - mit dem Ergebnis, daß wir es dann oftmals als 'erlebt, aber relativ reizlos' zu den Akten legen.
  Diese natürliche und den eigenen Horizont erweiternde Lebenserfahrung ist grundsätzlich zu bejahen. Optimal ist sicherlich, wenn das Kind/der Jugendliche derartige Erfahrungen mit seinen Eltern offen und ehrlich besprechen (vielleicht sogar mit diesen zusammen machen) kann.
  Ob es sich dabei um den ersten Genuß von Alkohol handelt (Neujahrssekt, Wein zum Abendessen  oder ein gemütliches Bierchen am Abend) oder auch das erste Hasch-Pfeifchen, die ersten sexuellen Kontakte mit dem anderen Geschlecht, etc. - je vertrauensvoller das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist, desto offener und unaufgeregter kann (und wird) der sich ständig erweiternde Lebenshorizont auch jeweils kommuniziert und dann besprochen. Verheimlicht wird jeweils nur, was in irgendeiner Weise mit 'falsch', 'nicht erlaubt', 'böse' oder 'verboten' assoziiert wird - Folge eines  angeknacksten Vertrauensverhältnisses zwischen Kind/Jugendlichem und Eltern. 
  Höchst problematisch - und dann gerinnt die gesunde Neugier zur potentiell strafbewehrten Handlung - ist für das Kind, wenn moralinsauere, in Bigotterie verhaftete, ultimativ angepaßte Eltern sich mehr als 'Ordner der Gesellschaft' denn als 'Begleiter und Lebensertüchtiger ihrer Kinder' verstehen und verhalten.
  Ebensowenig als wertvolle Begleiter geeignet sind diejenigen Eltern, deren Horizont nur vom Fernseher bis zum Kühlschrank reicht; daß deren Kinder sich - beinahe natürlicherweise - andere Orientierungen suchen (und dabei nur allzuoft an die Falschen geraten, die vorgaukeln, ihnen genau das zu geben, was sie im Elternhaus nicht bekommen), liegt auf der Hand.
 
Damit sind wir bei den negativen Motiven, die Kinder/Jugendliche zu Alkohol und Drogen greifen und sogar ins kriminelle Milieu abgleiten lassen:
- Frustration, Hilf- und Perspektivelosigkeit, die vergebliche Suche nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Lob, Liebe, Antworten auf Fragen, Achtung, Verständnis, gemeinsame Erlebnisfelder und Vorbilder (lieber negative als gar keine!).
 
In dem Maße, in dem sie in anderen Gruppen genau das finden, was sie (völlig natürlicherweise) suchen, aber eben zuhause nicht erfahren, werden sie [unter Hintanstellung emotionaler Bedenken und Gewissensbisse
- ihr Ethos macht sich bemerkbar, aber sie verdrängen es "erfolgreich" mit Alkohol und Drogen] - immer mehr zum Opfer  derartiger Ersatze für das von ihnen abgelehnte Elternhaus. Von da aus ist der Weg zur Ablehnung der nächsthöheren Stufe der Sozialität - der Gesellschaft insgesamt - und damit der Weg in die Asozialität nicht mehr weit.
Hierin liegt auch der Schlüssel für den Zuwachs von Jugendbanden, stetig zunehmende Gewalt in immer jüngeren Altersgruppen, (scheinbar unerklärliche) Amokläufe von Schülern (und nie erwachsen gewordenen Älteren), die zunehmende Flucht von jungen Menschen zu Kirchen und Sekten, Satanskulten und sonstigen Verirrungen, bis hin zu (kollektivem) Terrorismus [ob auf weltlicher (RAF, NPD,etc.) oder religiöser (Kreationisten, Islamisten,etc.) Ebene]
- allsamt hilflose Schreie, eine von Aussichtslosigkeit gejagte Sehnsucht nach Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse, Lob, Liebe, Ermunterung zu eigenem Handeln, Antworten auf Fragen, Achtung, Verständnis, Gemeinsamkeit,   kurz: ein inhaltsreiches, grundsätzlich positivistisch fundiertes Erleben in seiner Gesamtheit!

Fazit: Mit einem 'Verbot von Alkohol für Jugendliche' schlägt der Gesetzgeber - einmal mehr - den "Sack", obwohl er den "Esel" meint. NIcht 'die Kinder/Jugendlichen' sind die Schuldigen, ja nicht einmal der Alkohol/die Drogen und sonstige gesellschaftlichen Feindbilder. Es ist die Famile, der primäre Erlebnishorizont im Elternhaus, der darüber entscheidet, ob sich ein Kind/Jugendlicher freudvoll und neugierig-interessiert seinem Leben stellt, seinen eigenen Lebensplan entwickelt. Neugier führt zu Informationsbedürfnis und Fragen, die nach Antworten lechzen, um zu Erfahrung und Wissen zu gerinnen. Die Breite erworbenen Wissens in verschiedenen Bereichen und Feldern führt letztlich zu Bildung und - Folge erlebter/gelebter Bildung im Alter - zu Weisheit.
Wo aber nun bereits Neugier als störend empfunden und gemaßregelt wird ("Sei nicht so neugierig" heißt übersetzt: "Ich weiß es selbst nicht, bin aber zu bequem, mich schlau zu machen; Du zeigst mir durch Deine Fragen unverschämt auf, wie blöde ich selbst bin. Das untersage ich Dir"), Fragen weder Interesse wecken noch Antworten bieten, der Bildungsstand der Eltern nahe dem Gefrierpunkt ist, Liebe, Vertrauen und Herzensbildung Mangelware sind, ändert doch ein Gesetz - aufwachen, ihr selbstverliebten, etatistischen Liebesdiener des Populismus'! - nicht das mindeste!
Leistungsverweigerung, kultureller Starre und antisozialer Bockigkeit ist doch nicht mit Gesetzen beizukommen!

Über all dem Wust an (aus ähnlichen Motiven staatsverliebter Politiker verabschiedeten, zum größten Teil aber völlig widersinnigen) Gesetzen verroht und verblödet (siehe nachstehende Originaldialoge) unsere Gesellschaft - national wie globalisiert! - immer mehr. Dabei wird sowohl die Unfähigkeit der eigentlich Verantwortlichen wie auch die Mitschuld der dies nicht wahrhaben wollenden Politiker immer dichter verbrämt und verkleistert  - natürlich mit hochwohllöblichen, "christlich"-"sozialen"-"humanistischen" Schleifchen versehen.
Nicht Ganztagesschulen und eine gesetzliche Kindergartenpflicht, Rauchverbot, Richtgeschwindigkeit und Mindestlöhne (für indiskutabel geringe Leistung oder wenig Qualifizierte), Tarifverträge und Zwangsmitgliedschaften, Heere von Verwaltungsbüttel und Hunderttausende von Gesetzen für praktisch jede Handbewegung lösen unsere Probleme; der Schlüssel liegt im Erziehung- und Bildungswesen, insbesondere deren erste Ausprägung - im Elternhaus.
Dementsprechend gelte es, potentiellen Eltern Hilfe dabei anzubieten, wie man bei hilflos auf ein l(i)ebenswertes Zuhause angewiesenen kleinen Menschen die Grundlage für ein liebens- und lebenswertes, interessantes und erfolgreiches Leben
zu legen lernt. Nein, nein - das sollt nicht Ihr Politiker tun. Dazu fehlt Euch nun wahrlich jegliche Kompetenz!
Dazu wären 'Elternschulen' geeignet sicherlich vernünftiger für Volkshochschulen, als Bonsai-Kurse anzubieten.
Diese Erfahrung - interessierte Eltern und Jugendliche - erleben wir gerade in Rußland, wo wir mit dem 'Anthropos e.V.
- für die Kinder dieser Welt' die erste Elternschule aufbauen. Warum nicht hier in Deutschland - ohne ein neues Gesetz?!?

  H.-W. Graf 

 
Wahre Gespräche zwischen IHK-Prüfer und Azubis, (aus dem BSW-Forum kopiert)

Prüfer: Sie gucken doch bestimmt Fernsehen. Wissen Sie was die Buchstaben ARD bedeuten?
Azubi: Kann ich auf Tafel schreiben?
Prüfer: Ja bitte.
Azubi (schreibt): Das ÄRDste
Prüfer: Und was heißt ZDF?
Azubi: Zweiter Deutschfunk.
Prüfer: Und PRO7?
Azubi: So für Kinder ab sieben, oder?


Prüfer: Wie heißt die Hauptstadt Deutschlands?
Azubi: Berlin.
Prüfer: Bevor Berlin Hauptstadt wurde, welche Stadt war da Hauptstadt?
Azubi: Da war Deutschland noch DDR, mit Hitler und so!
Prüfer: Ach so? Wie hieß denn die Hauptstadt bevor Berlin es wurde?
Azubi: Frankfurt, oder?
Prüfer: Wie, Frankfurt, oder? Frankfurt/Oder oder Frankfurt, oder?
Azubi: Jetzt weiß ich! Karlsruhe!


Prüfer: Wieviele Tage hat ein Jahr?
Azubi: 365.
Prüfer: Gut! Und in Schaltjahren?
Azubi: Einen mehr oder einen weniger, weiß nicht so genau.
Prüfer: Überlegen sie mal in Ruhe.
Azubi: Glaub einen weniger.
Prüfer: Sind Sie sicher?
Azubi: Dann einen mehr!
Prüfer: Okay, wo kommt denn der zusätzliche Tag hin?
Azubi: Ich glaub der wird in der Silvesternacht eingeschoben.
Prüfer: Wie bitte?
Azubi: Nee, Quatsch, das ist mit Sommerzeit, oder?
Prüfer: Es wird ja ein ganzer Tag irgendwo eingeschoben, da wäre es ja sinnvoll, wenn man einen Monat nimmt, der sowieso wenig Tage hat. Welcher könnte das denn sein?
Azubi: Jetzt weiß ich, Februar!
Prüfer: Na also! Wissen Sie auch, wie oft wir Schaltjahre haben?
Azubi (freudestrahlend): Ja, weiß ich ganz genau, alle vier Jahre, weil eine Cousine hat nämlich alle vier Jahre keinen Geburtstag!


Prüfer: Wer war eigentlich John F. Kennedy?
Azubi: Der war wichtig, oder?
Prüfer: (schaut nur fragend)
Azubi: Nicht von Deutschland oder so...
Prüfer: Nein.
Azubi: Hab ich auf jeden Fall schon mal gehört, gibt es nen Film von.
Prüfer: Ja, aber wer war das?
Azubi: Hat der was erfunden?
Prüfer: (schaut fragend)
Azubi: Krieg oder so?


Prüfer: Wissen Sie, ob Deutschland eine Demokratie oder eine Monarchie oder eine Diktatur hat?
Azubi: Weiß ich nicht so genau, war früher ja alles anders.
Prüfer: Ja, früher waren wir auch mal Monarchie.
Azubi: Ja weiß ich, mit Hitler.
Prüfer: Nicht ganz, aber was ist mit heute?
Azubi: Das hat sich ja erst neulich geändert.
Prüfer: Das wäre mir neu! Wann soll sich das denn geändert haben?
Azubi: So mit Mauerfall und so.


Prüfer: Was ist ein Euro-Scheck?
Azubi: Kannste Euro mit bezahlen, außer im Urlaub.


Prüfer: Erklären Sie mir bitte, was ein Dreisatz ist.
Azubi: Mit Anlauf und dann weit springen.


Prüfer: Was sind so Ihre Hobbies?
Azubi: Lesen, Musik und Rumhängen.
Prüfer: Was lesen Sie denn so?
Azubi: Programmzeitschrift.


Prüfer: Wir haben seit einigen Jahren den Euro als Währung. Wie hieß die Währung davor?
Azubi: Dollar!
Prüfer: Nein, das ist z.B. die Währung in Amerika.
Azubi: Ah Moment, jetzt weiß ich es: D-Mark.
Prüfer: Na also! Was heißt denn das 'D' in D-Mark?
Azubi: Demokratie?


Prüfer: Zwei Züge stehen 100 Kilometer voneinander entfernt und fahren dann mit genau 50 km/h aufeinander zu. Wo treffen sich die Züge, bei welchem Streckenkilometer?
Azubi: Kommt drauf an!
Prüfer: Worauf kommt das an?
Azubi: Ob die nicht vorher schon zusammenstoßen.


Prüfer: Haben Sie eine Ahnung, wer die Geschwister Scholl waren?
Azubi: Nö?
Prüfer: Ich sehe aber in den Unterlagen, daß Sie zehn Jahre auf der Geschwister-Scholl-Schule waren.
Azubi: Geschwister Scholl (Pause) Geschwister Scholl (Pause)... Nee, keine Ahnung.
Prüfer: Schon mal was von der 'weißen Rose' gehört?
Azubi: Aaaaah! Jetzt fällt's mir ein: Musik, oder?


Prüfer: In welchem Land ist die Königin von England Königin?
Azubi: Wollen Sie mich auf den Arm nehmen?
Prüfer (Unschuldsmiene): Nein, wieso?
Azubi: Weil die schon tot ist!


Prüfer: Nennen Sie mir doch bitte drei skandinavische Länder?
Azubi: Schweden, Holland und Nordpol.


Prüfer: Wieviele Ecken hat ein Quadrat?
Azubi (nimmt den Taschenrechner): Sagen sie mir noch die Höhe bitte!


Prüfer: Julius Cäsar, schon mal gehört? Wer war das eigentlich?
Azubi: Hat der nicht Jesus hinrichten lassen, so mit Bibel und so kenn ich mich nicht aus, bin evangelisch.


Prüfer: Nennen Sie mir doch bitte drei große Weltreligionen.
Azubi: Christentum, katholisch und evangelisch.


Prüfer: Der Papst lebt im Vatikan. Wo aber bitte liegt der Vatikan?
Azubi: Ist ein eigener Staat.
Prüfer: Ja richtig, aber der Vatikanstaat ist komplett vom Staatsgebiet eines anderen Landes umschlossen.
Azubi: Hmmmm....
Prüfer (will helfen): Aus dem Land kommen viele Eisverkäufer.
Azubi: Langnese oder was?


Prüfer: Wenn es in Karlsruhe zehn Minuten nach Eins ist, wie spät ist es dann im Köln um 12 Uhr mittags?
Azubi: Da müsste man jetzt einen Atlas haben!


Prüfer: Wenn ein Sack Zement 10 Euro kostet und der Preis jetzt um 10 % erhöht wird, wie teuer ist er dann?
Azubi: Mit oder ohne Mehrwertsteuer?
Prüfer: Es geht jetzt nur um den Endpreis.
Azubi (rechnet wie wild mit dem Taschenrechner)
Prüfer: Und?
Azubi: Elf.
Prüfer: Elf was?
Azubi: Prozent.
Prüfer: Sagen Sie mir einfach 10 Euro plus 10 Prozent, wieviel ist das?
Azubi: 10 plus 11 ist Einundzwanzig!


Prüfer: Was ist die Hälfte von 333?
Azubi: 150 Rest 1.


Prüfer: In welcher Stadt steht der Reichstag?
Azubi: Vor oder nach der Wende?
Prüfer: Heute.
Azubi: Ist jetzt nicht mehr Deutschland, oder?


Und jetzt mein Liebling:
Prüfer: Wer ist Helmut Kohl?
Azubi: Kann ich jemanden anrufen?


Prüfer: Durch welches Ereignis wurde der Erste Weltkrieg ausgelöst?
Azubi: Ui, sowas dürfen Sie mich nicht fragen. (Kicher)
Prüfer: Doch, überlegen Sie mal, das könnten Sie wissen.
Azubi: Fragen Sie mich was von Next Generation und das weiß ich!


Prüfer: In einer Waschmaschine benötigen Sie pro Waschgang 100 Gramm Waschpulver. In einem Karton sind 10 Kilogramm. Wie oft können Sie damit waschen?
Azubi: Ja, wie jetzt?
Prüfer: 10 Kilogramm haben Sie, jedes Mal verbrauchen Sie 100 Gramm.
Azubi: Ich hab ja nix an den Ohren.
Prüfer: Ja und die Antwort?
Azubi: Ey, ich lern Reisbeürokaufmann, nicht Waschfrau.
Prüfer: Gut, ein Reisprospekt wiegt 100 Gramm. Sie bekommen einen Karton von 10 Kilogramm. Wieviel Prospekte sind da drin?
Azubi: Das ist voll unfair!
Prüfer: Das ist doch ganz einfach.
Azubi: Weiß ich auch.
Prüfer: Dann rechnen Sie doch mal.
Azubi: Was?
Prüfer: 100 Gramm jeder Prospekt, 10 Kilo im Karton.
Azubi: Komm, mach Dein Kreuz, daß ich durchgefallen bin, so'n Scheiß mach ich nicht!


Gleiche Aufgabe, anderer Prüfling:
Prüfer: Rechnen Sie doch bitte mal!
Azubi: Klar, kein Problem! Zehn Kilogramm sind 20 Pfund. 5 Prospekte sind ein Pfund. 100 Prospekte!
Prüfer: Prima! (Freut sich, dass der Prüfling, zwar über den Umweg des Pfundes, sicher und schnell zum Ergebnis gekommen ist.)
Azubi: Und das Ganze jetzt mal 10!


Prüfer: Wann war der Dreißigjährige Krieg?
Azubi: In Vietnam oder?


Prüfer: Was bedeuten die Begriffe brutto und netto?
Azubi: Irgendwie so mehr oder weniger.
Prüfer: Ach was?
Azubi: Doch, brutto ist mit Verpackung...
Prüfer: Und netto?
Azubi: Das ist das Gewicht der Verpackung.
Prüfer: Was ist dann Tara?
Azubi: Der hat das erfunden, oder?


Prüfer: Bevor es Geld gab, wie haben die Menschen da Waren gehandelt?
Azubi: Tauschhandel.
Prüfer: Ja.. (wird vom Azubi unterbrochen)
Azubi: Wenn man da eine Playstation wollte, mußte man einen Haufen Spiele abdrücken, um sie zu kriegen.


Prüfer: Wann wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet?
Azubi: Das war in Österreich.
Prüfer. Nicht wo, sondern wann.
Azubi: Vorher!


Prüfer: Wann fand die deutsche Wiedervereinigung statt?
Azubi: Als die Ossis gehört haben, dass wir den Euro haben, sind sie alle rüber.
Prüfer: Wann?
Azubi: Als Hitler in Berlin den Krieg verloren hat.


Prüfer: Wer war Ludwig Erhardt?
Azubi: Den haben meine Eltern so gerne geguckt. War doch der mit der dicken Brille.
Prüfer: Und was war Ludwig Erhardt?
Azubi: Schauspieler!
Prüfer: Sie meinen Heinz Erhardt!
Azubi: Heinz Erhardt war doch der Helfer von Rudi Carrell, oder?


Prüfer: Im Zusammenhang mit der Börse hört man immer den Begriff DAX. Was ist denn der DAX?
Azubi: Nee, ich weiß schon, ist kein Tier, oder?
Prüfer: (schüttelt den Kopf)
Azubi: Nee, ist klar.
Prüfer: Und?
Azubi: Ne Abkürzung?
Prüfer: (nickt)
Azubi: Es gibt kein Wort das mit X anfängt!
Prüfer: Vielleicht gibt es ja ein Wort, das mit X aufhört!
Azubi: Taxi!


Prüfer: Ein Kubikmeter besteht aus wievielen Litern? Rechnen Sie doch mal, wieviele Liter passen in einen Kubikmeter!
Azubi: (starrt den Prüfer mit offenem Mund an)
Prüfer: Können Sie das?
Azubi: (starrt den Prüfer weiter verständnislos an)
Prüfer: Schauen Sie, einen Liter Wasser kann man ja auch in einen Würfel bestimmter Kantenlänge umrechnen, wieviele Würfel passen dann in ein Kubikmeter?
Azubi: Ja aber Liter ist doch für Wasser und Kubikmeter für Wohnungen.
Prüfer: Wie bitte?
Azubi: Ja, die Wohnung von meinen Eltern ist 85 Kubikmeter groß.
Prüfer: Was Sie jetzt meinen ist ein Flächenmaß, Sie meinen Quadratmeter!
Azubi: Ich dachte, Quadratmeter ist nur wenns viereckig ist und Kubikmeter wenn es etwas ungünstig geschnitten ist.


Prüfer: Wer war denn Carl Benz?
Azubi: (war laut Unterlagen auf dem Carl-Benz-Gymnasium): Ein berühmter Erfinder!
Prüfer: Und was hat er erfunden?
Azubi: (mit stolzgeschwellter Brust): Das BENZin!


Prüfer: Wenn ein Artikel 85 Cent kostet, wieviele Artikel können Sie für kaufen, wenn Ihnen 12 Euro zur Verfügung stehen?
Azubi: Ich würde eine Analyse machen.
Prüfer: Sie könnten aber auch einfach rechnen.
Azubi: Ich würde Angebot und Nachfrage analysieren, den Markt studieren und versuchen herauszufinden, wo ich den Artikel billiger bekomme.
Prüfer: Das ist ja alles schön und gut. Aber jetzt stellen Sie sich vor, sie hätten das schon alles gemacht und hätten herausgefunden, dass der Artikel exakt für 85 Cent zu bekommen ist.
Azubi: Ich würde entweder warten bis ich mehr Geld hätte oder bis der Artikel einen besseren Preis hat.
Prüfer: Warum machen Sie es sich so schwer?
Azubi: Weil 85 Cent nicht in 12 Euro passt.
Prüfer: Passt doch!
Azubi: Aber nicht wirklich!


Prüfer: Konrad Adenauer, haben Sie diesen Namen schon mal gehört?
Azubi: Ja klar.
Prüfer: Und wer war das?
Azubi: Hat der nicht die D-Mark erfunden?


Prüfer: Wer war der erste deutsche Bundeskanzler?
Azubi: Helmut Kohl.
Prüfer: Der war nicht der erste.
Azubi: Doch, der war schon Kanzler als ich geboren wurde.
Prüfer: Und vorher? Gab es da keine Kanzler?
Azubi: Nur den Hitler.


Prüfer: Nennen Sie mir doch bitte sechs Länder, die an die Bundesrepublik Deutschland grenzen.
Azubi: Holland, Niederlande, Schweden, Spanien, Portugal, England.


Prüfer: Die moderne EDV erleichtert den Büroalltag. Nennen Sie Beispiele dafür.
Azubi: Haben wir nicht mehr gehabt, wir haben schon Computer.


Prüfer: Nennen Sie mir einige Länder der europäischen Gemeinschaft.
Azubi: Kenn ich alle! Frankreich, Belgien und das dritte fällt mir jetzt nicht ein.


Prüfer: Der längste Fluß Deutschlands ist welcher?
Azubi: Der Nil.


Prüfer: Wer war Napoleon?
Azubi: Der mit der Guillotine?


Prüfer: Erzählen Sie mir doch etwas über die Bedeutung der folgenden Erfindungen: Das Rad, die Dampfmaschine, das Telefon, der Computer.
Azubi: Sie haben ein vergessen: dem Handy!
Prüfer: Nee, nee, Telefon habe ich gesagt.
Azubi: Telefon ist doch mit Kabel, Handy ohne!


Eine junge Frau, hübsch, blond, in den übrigen Fragen nicht schlecht gewesen, bekommt noch eine Frage aus dem Bereich des Allgemeinwissens.
Prüfer: Der erste Mensch im Weltall, wie hieß der?
Azubi: James Tiberius Kirk! Da staunen Sie, oder?
Prüfer: Allerdings!
Azubi: Dass ich sogar wusste, was das "T" in James T. Kirk bedeutet.
Prüfer: Schon mal was von Juri Gagarin gehört?
Azubi: Selbstverständlich!
Prüfer: Ja und?
Azubi: Der hat doch so Löffel verbogen, im Fernsehen.
Prüfer: Aha, und Mr. Spock war der erste Mann auf dem Mond.
Azubi: Nein, das war Louis Armstrong!

 Die Landesregierung hat die Elternbildung den freien Trägern als deren 
Aufgabe zugeordnet und die Mittel der Erwachsenenbildung um nahezu 50% gekürzt.
Ein Irrweg oder schlimmer.

Elternsprecher - gewählt und viele Fragen

Kompetenzbögen in der Schule - was wollen sie - was sollen sie

Die Kompetenzbögen sind wieder im Gespräch. Natürlich gehören sie zu den Spitzenleistungen Thüringer Pädagogik.
Die Pädagogen sind begeistert. Das hatte ihnen noch gefehlt. Jetzt haben sie das ideale Instrument zu einer differenzierten und kontrollierten Förderung von Lern- und Persönlichkeitsentwicklung in der Dreieinigkeit von Schule - Elternhaus - Schüler. Und die Eltern sind dabei nicht die im früheren Elterngespräch ausgemachten Sündenböcke und erzieherischen Versager sondern angestrebte und geforderte Partner.

Kompetenzbögen haben eine Beratungs- und Förderungsfunktion. Sie sind ein Einschätzungsbogen ohne Noten oder ähnlichen Einschätzungsskalen, sondern sie enthalten Diagnose- und Förderhinweise, die zu einer Zielvereinbarung zwischen Schule, Schüler und Erziehungsberechtigten führen.

Sie sind aus der Zielsicht und dem Kompetenzmodell der Thüringer Lehrpläne erwachsen, die deutschlandweit Beachtung fanden und deshalb sind ihnen Konsequenzen für den Unterricht immanent. Diese betreffen die Gestaltung von Unterricht und implizieren die Aufgabenstellung, den Unterricht so zu gestalten, dass er dem Schüler ermöglicht, Sach-, Methoden- Selbst- und Sozialkompetenz zu entwickeln und anzuwenden. Zudem sind Arbeits- und Lernformen für selbstständige Einzel- und Gruppenarbeit notwendig u.a.m. (s.u.).
Ein solches Verständnis von Unterricht schließt Konsequenzen für die Leistungsbeurteilung notwendigerweise ein. Der Einschätzungsbogen versteht sich deshalb als eine transparente, differenzierte und schülerverständliche Art der Rückmeldung zur Kompetenzentwicklung. Und jeder versteht auch, dass hier auf die Prozesshaftigkeit des überfachlichen Lernens abgestellt wird und der Charakter des Einschätzungsbogens als ein Instrument zu verstehen ist, das Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam betrifft.

Die Einschätzung ist deshalb Ergebnis, Prozess und Ziel eines gemeinsam gestalteten pädagogischen Prozesses.
Sie ist gemeinsame Gesprächsgrundlage von Beratungen aller 3 Personengruppen: Lehrende, Lernende und Eltern. Aus den Einschätzungen auf der Grundlage des vorangegangenen Verlaufs der pädagogischen Prozesse, der Überprüfung bisheriger Zielvereinbarungen der 3 Partner, der Aufgaben, Ressourcen und Hilfen werden neue Zielvereinbarungen formuliert, vereinbart und terminisiert.

Ziel dieser Gespräche ist es – bezogen auf die Kompetenzentwicklung – über die Stärken des Schülers zu informieren und gemeinsam nach Ursachen für Schwächen oder Defizite, aber auch nach Lösungswegen für deren mögliche Überwindung zu
suchen.
Die Eltern sollten einen Einblick in den laufenden pädagogischen Prozess bekommen. Ihnen sollte dargelegt werden, wie die einzelnen Kompetenzen im Unterricht entwickelt werden und wie der Entwicklungstand und die weiteren Möglichkeiten des lernenden Schülers in der Erabeitung der angstrebten Kompetenzen sind. Sie sind in diesen Prozess von ihren Aufgaben und Notwendigkeiten her verbindlich einzubeziehen. Oft werden Hilfestellungen seitens der Schule notwendig sein, damit Eltern ihre Partnerrolle erfüllen können.

Die Aussage „Du brauchst noch viel Hilfe, wir werden daran arbeiten“ ist deshalb als Zusage von Lehrern und Eltern zu verstehen, an der Zielvereinbarung für einen Schüler auch ihrerseits aktiv mitzuarbeiten.
Die Gespräche, die im Anschluss an die Einschätzungen besonders mit den schulisch nicht so erfolgreichen Schülern und ihren Erziehungsberechtigten geführt werden, sollten durch ein Signal des Hilfegebens Ermutigungen und nicht Entmutigungen verstärken.

Voraussetzung ist jedoch, dass sich die Eltern aktiv in diesen Prozess laufender Arbeit an der Kompetenzentwiclung ihrer Kinder in der Schule einbringen. Dazu müssen sie wissen, inwiefern die Kompetenzbögen und der Umgang mit ihnen ein sehr hilfreiches Instrument für Erziehung und Bildung sind. Aus ihrer Rolle aus dem Unterstützungssystem Elternhaus heraus sind sie dann in der Lage, die in den Kompetenzbögen angelegte Partnerschaft nicht nur passiv hinzunehmen sondern aktiv einzufordern. Und manchmal geht es schon darum, dass die Schule im oben beschriebenen Sinne all das macht, was sie soll.

Sehr ausführlich nachzulesen unter: http://www.thueringen.de/de/tkm/schule/schulwesen/schulentwicklung/kompetenzentwicklung/


Klassenelternsprecher - wichtiger und verantwortungsvoller denn je !

Sind Sie auch zum Klassenelternsprecher geworden, wie Helmut Creutz das in seinem Buch vor 30 Jahren schildert?
Natürlich nicht!
In Thüringen ist das längst alles ganz anders.

  • Die Klassenleiter haben die Wahl gut vorbereitet, denn sie wissen, wie wichtig eine gute Arbeit mit den Eltern ist.
  • Es steht auch viel Zeit zur Verfügung, damit die Elternversammlung zur Wahl des Elternsprechers nicht unter Zeitdruck sondern in einer aufgeschlossenen Atmosphäre stattfindet.
  • Mit den Eltern ist gesprochen worden, die Eltern wissen, was sie erwartet.
  • Die besten Kandidaten stehen zur Wahl, sie haben ein Programm und stehen auf alle Fragen Rede und Antwort.
  • Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
Und da es sie gibt, wenden wir uns an die Ausnahmen.
Diese Eltern, die gewählt wurden, wie Creutz es aus seiner Praxis schildert
(bitte lesen Sie das Buch!), haben natürlich Fragen.
Fragen, die sie auch an uns, den TEV, gerichtet haben.

- Zusammenarbeit Schule Elternhaus, warum ist es für Lehrer und Eltern wichtig, gut zusammen zu arbeiten
- Was ist für die Arbeit eines Klassenelternsprechers wichtig zu wissen, was ist ihm zu empfehlen?
- Welche Aufgabe hat er und welche Aktivitäten werden durch ihn initiiert?

Wir wollen diesen neu gewählten Elternsprechern einige Hilfen geben. Das Wichtigste zuerst, denn ein Schuljahr ist schnell vorüber.

Um die in Schulgesetz und Schulordnung festgelegten Aufgaben erfüllen zu können, gibt es einen aus den Erfahrungen langjähriger schulpraktischer Elternmitwirkung gewonnenen Mindeststandard.

Der Klassenelternsprecher sollte / müsste

  • auf keinen Fall warten, dass jemand etwas für ihn tut. Er muss sofort initiativ werden, zuerst für sich.
  • Er benötigt für seine Arbeit dringend folgende Dokumente (Minimum):
    • Verfassung des Freistaates Thüringen
    • Schulgesetz und Schulordnung
    • Mitwirkungsverordnung
    • Förderrichtlinie
    Er wird überrascht sein, was da über Rechte und Pflichten von Elternhaus und Schule steht.
  • Er sollte eine Fortbildung zu Rechten und Pflichten von Eltern und Elternvertretungen dazu besuchen (Auch im Angebot des TEV)
  • . Im Verlaufe des Schuljahres sollte er dazu die Eltern informieren, lieber früher als zu spät, denn hier stehen die Grundlagen für eine dialogische Zusammenarbeit von Schule und Eltern, die auch für Lehrer gelten.

  • Er muss sich einen Plan machen, was er für das laufende Schuljahr mit den Eltern und Lehrern vorhat. Dazu muss er Eltern und Lehrer einbeziehen, denn es muss interessant sein, die Arbeit muss Eltern und Lehrern helfen. Auch die Schüler sollten gefragt werden, und es gibt sehr kritische SchülersprecherInnen!
  • Von Anfang an Verbündete unter den Eltern zu suchen, ist eine weitere Grundlage für erfolgreiche Elternarbeit. Sie mit in die Arbeit ein zu beziehen, ist der beste Weg. Der Stellvertreter, der allein noch mit gewählt wird, reicht dazu nicht.
  • Er sollte sich aus mehreren aktiven Personen ein Elternaktiv (alter Begriff von früher) oder wie immer es auch genannt wird, schaffen. Es ist nicht in Schulgesetz/Schulordnung enthalten, aber auch nicht verboten!
  • Sich nach der Wahl beim Schulleiter und Schulelternsprecher vorzustellen, ist mehr als ein Akt der Höflichkeit. Ziel ist, einen (be)ständigen Dialog zu beginnen.
    Der Elternsprecher muss sich informieren lassen über Schulkonzeption, Schulprofilentwicklung, Aufgaben und Probleme, die die Schule hat und nach der Art des Umgangs mit den Elternvertretungen an der betr. Schule, wie sie informiert und in die Arbeit einbezogen werden.
    Natürlich ist er aufgefordert, seine eigenen Absichten zu erläutern.
  • Das beste Mittel, die Rechte und Pflichten eines Elternsprechers zu verwirklichen, ist ein offener auf gegenseitige Achtung und Unterstützung ausgerichteter Dialog mit dem Klassenleiter und so weit wie möglich mit den Fachlehrern, sonderpädagogischen Fachkräften u. Erziehern und der Schulleitung.
    Er darf aber nicht als Einbahnstraße verstanden werden.

Dieser Dialog als Arbeitsprinzip ist so oft wie möglich zu führen, anzustreben oder einzufordern. Der Dialog ist gemeinsam zu reflektieren, weil gemeinsame Erfolgskontrolle gemeinsames erfolgsorientiertes Weiterarbeiten impliziert und initiiert.

Dazu sind gemeinsam vereinbarte Schwerpunkte inhaltlicher Art der Weiterentwicklung von Schule Voraussetzung.
(Grundlage ThürSchulG u. Verfassung des Freistaates Thüringen § 22 als gemeinsamer Erziehungs- und Bildungsauftrag)

Wenn Lehrer zuvor ihren Frust ablassen, z.B. über Eltern, die zu Hause ihre Kinder nicht mehr unter Kontrolle haben, und Eltern frustriert sind, was z.B an der Schule an Gewalt abgeht, fördert das eigentlich nur das Verständnis, dass beide Gruppen ein gemeinsames Anliegen haben und keiner mehr ohne/ gegen den anderen erfolgreich erziehen und bilden kann.

  • Richtig ist, unterschiedliche Interessenlagen zum einem größtmöglichen Konsens zu führen. Dabei sollte der Elternsprecher der aktive Teil sein, weil das die Interessen seines Kindes erfordern.
    Unterschiedlichen Interessenlagen müssen aber vorausgesetzt werden, sonst ist Misserfolg vorprogrammiert!
    Da Erfolge sich nur langfristig erreichen lassen, ist Geduld dabei eine Tugend.
  • Der Elternsprecher sollte pro Schuljahr mindestens 2 Klassenelterversammlungen organisieren. 2 sind das Minimum, nach oben ist die Zahl seiner Initiative bzw. den Bedingungen der Schule entsprechend offen.
    Die Wahlversammlung sollte im alten Schuljahr vorbereitet werden.
    Der Klassenelternsprecher sollte dies nicht der Schule überlassen! Wohl aber dies mit der Schule gemeinsam tun.
    Die gesetzlichen Fristen im neuen und für das neue Schuljahr sind zu beachten!
    Die Amtszeit des Klassenelternsprechers endet mit der Neuwahl !!!! Nicht im alten Schuljahr!
  • Die Elternversammlungen sollten gemeinsam gut mit dem Klassenleiter abgesprochen und vorbereitet werden, sie sollten ihm aber nicht überlassen werden!
    Der Klassenleiter soll sich freuen, dass er aktive Eltern hat und er Gast sein darf.
    Alle, die gebraucht werden, sind rechtzeitig zur Sitzungen einzuladen, zu kurze Einladungsfristen sind in der heutigen Zeit für strapazierte Eltern, Lehrer usw. zu kurz und auch eine gute Ausrede.
    Für die Einladungen die Hilfe der Schule in Anspruch nehmen!
  • Der Elternsprecher muss unbedingt die Sitzung leiten !!! Auch ein Nichtprofi kann gute Sitzungen zelebrieren. Das kann man auch lernen.
    Dabei vor allem nicht den Klassenleiter ins Abseits spielen, er ist im Sinne der dialogischen Zusammenarbeit der beste Verbündete, auch wenn die Fetzen fliegen.
    Wichtig ist auch, den den Stellvertreter rechtzeitig ins Spiel bringen, es klappt nicht alles so gut, wie man plant! (Das betrifft auch die rechtzeitige Sorge für die Bestellung (Wahl) des Nachfolgers für das (evtl. vorzeitige) Ausscheiden aus
    dem Amte).
    Bei Bedarf auch andere Lehrer, Erzieher, sonderpädagog. Fachkräfte oder den Schulleiter einzuladen nicht vergessen.
  • Die Tagesordnung dann bitte so abstimmen, dass diese Kollegen zu Wort kommen, wenn noch alle Eltern da sind.

Der Klassenelternsprecher sollte / kann

  • auch das Recht der Eltern, sich außerhalb der Klassenelternversammlung zu organisieren, nicht aus dem Auge verlieren. Die Formen sind verschieden. Auf alle Fälle sollte er dabei nicht das 5. Rad am Wagen sein !!!
  • zu geeigneten Tagesordungspunkten
    Schüler der Klasse,
    Schülersprecher,
    den Vertrauenslehrer,
    Schulelternsprecher,
    Landeselternsprecher
    oder sonstige Personen einladen
  • mit den Eltern der Klasse Vorschläge für die Beratung wichtiger Anliegen in der Klassenkonferenz (s.Schulgesetz) erarbeiten und dies mit dem Klassenleiter absprechen und die eigene Teilnahme an dieser Beratung einfordern
  • sich von Klassenleiter und Schulleiter wichtige Arbeitsunterlagen besorgen :Schulgesetz, Schulordnung Förderschulgesetz, Förderschulordnung, Schulkonzeption, Unterlagen für Projektförderungen des TKM oder des TMSG oder der EG, usw. usw.
  • die Zusammenarbeit mit dem Schulelternsprecher, dem Kreiselternsprecher und dem Landeselternsprecher suchen und einfordern!!!
    den Informationsaustausch organisieren,
    mit den Klassenelternsprechern der Parallelklassen zusammenarbeiten,
    gemeinsame Themenfelder suchen
  • immer klug überlegen, wo den "Dienstweg" einzuhalten vorteilhaft ist. (Das ist es in den allermeisten Fällen. Aber er ist ehrenamtlich tätig, an den Dienstweg ist er nicht gebunden!!!!)
    Und dann ist es auch gut zu wissen, wie man auch anders und anderswo Freunde und Unterstützung gewinnt.
  • Unterlagen sollten an den Nachfolger weiter gegeben werden, persönliches Eigentum ist da zu prüfen und der Datenschutz ist zu beachten.

Zu allem ist noch viel zu sagen. Wir werden diese Hilfen periodisch ergänzen. Für Ihre Fragen stehen wir wie immer zur Verfügung.
Diese Hilfen sind natürlich für alle Eltern gedacht, die Schule mitgestalten wollen. Ein Soll - Ist - Vergleich "Wie läuft es denn an der eigenen Schule" kann evtl. neue Impulse für die Elternarbeit geben und den "Gewählten" es leichter machen, Verantwortung zu tragen.

Die LEV hatauch ein Handmaterial für Eltern zur Arbeit in der Schule entwickelt:

http://lev-thueringen.de/wp-content/uploads/2007/12/2007_12_10_broschuere_eltern_mit_wirkung_modifiziert_von_soeren.pdf

 


Auf einen anderen Aspekt hat die Didacta
2005 hingewiesen, den wir in der Stuttgarter Zeitung, Nr.35, vom 05.März 2005, Seite 26 , gefunden haben:

Eltern können in dieser Sache Lehrern helfen! Hier wird es begriffen, hier haben wir es gefunden,

Schule braucht das Engagement der Eltern und

wie ein Schulamt neu gewählte Elternvertreter im Landkreis über ihre Augaben
informiert.

Unsere wichtigsten Erkenntnisse aus dem Artikel:

Im Kreis Esslingen wird seit Seit zwölf Jahren wird regelmäßig zu Informationsveranstaltungen für die neu gewählten Elternvertreter der ersten und fünften Klassen eingeladen. Der Leiter des Amtes für Schule und Bildunghält es für sehr wichtig, die neu gewählten Elternvertreter in ihre neuen Aufgaben einzuführen. Schule und Elternschaft nehmen für ihn keine gegnerischen Positionen ein. Die Zusammenarbeit von Schule und Eltern ist notwendig. Wenn deshalb das Amt für Schule und Bildung seit Jahren die 160 neu gewählten Elternvertreter zu einer gemeinsamen Veranstaltung zusammenführt, dann in der Absicht um konstruktive Zusammenarbeit beider Seiten. Die gemeinsame Auffassung dort ist, dass Elternarbeit heute in den Schulen eine weitaus größere Bedeutung hat als früher. Eltern müssen in das pädagogische Entwicklungskonzept eingebunden werden und Schule hat sich gegenüber den Eltern zu öffnen. Und Schule braucht auch das Feedback der Eltern.
Es geht um die viel beschworene Bildungspartnerschaft, um ein vielfältiges Bildungsangebot, wo Eltern unverzichtbare Partner sind. Und die Bereitschaft der Eltern zur Mitarbeit ist vorhanden. Eltern sind immer hoch motiviert und bereit, Verantwortung in der Schule zu übernehmen, wenn sie konkrete Verantwortung zur Mitwirkung übertragebn bekommen.
IAlle Mitarbeiter des Amtes für Schule und Bildung standen mit Rat und Tat zur Seite, die Gespräche waren sachbezogen - einem Arbeitsfeld, in dem sich Elternvertreter und Lehrer üben müssen. Dazu gab ein Oberpsychologierat den Vätern und Müttern ganz konkrete Tipps und Ratschläge mit an die Hand.

Sich gut abzugrenzen, Mut zu finden, an der richtigen Stelle auch Nein zu sagen, Konflikte zwischen Eltern und Lehrern in einem sachlichen Gespräch zu lösen setzt voraus, dass beide Seiten daran interessiert und dazu bereit sind. Dazu gab es Tipps für konfliktlösende Gespräche.
Selbstverständlich wurden die Elternvertreter ausgestattet mit Adressen und Ansprechpartnern, die allen Elternbeiräten zur Seite stehen, an vorderster Stelle natürlich das Amt für Schule und Bildung beim Landkreis, das sich als Dienstleister für Schulen, Schüler und Eltern sieht.
Unter www.schule-bw.de können Sie nachfragen, ob da nicht eine Menge für Thüringen zu lernen ist.

Eigenverantwortliche Schule - ein Weg zur Partnerschaft Schule Eltern auch in Thüringen

Der TEV setzt sich seit Jahren für die Mitbestimmung von Eltern in der Schule ein, weil das Recht auf Mitwirkung in der Mehrzahl schon dadurch nicht stattfindet, weil Eltern nicht ernst genommen werden. Die Demotivation von Eltern findet täglich statt. Aus Erfahrungen einer engen Zusammenarbeit von Elternvertretern und dem ehemaligen Staatssekretär Ströbel wissen wir aber, dass die Forderung nach Mitbestimmung keine Utopie ist sondern praktiziert werden kann.
Im Entwicklungsangebot zur eigenverantwortlichen Schule sieht der TEV für Eltern eine große Chance, den Weg einer Schule zu einer modernen Bildungseinrichtung mitzubestimmen. Sie muss nur eingefordert werden.

Ein Elternsprecher berichtet an dieser Stelle, wie erfolgreich eine solche Praxis sein kann.

Zur Person:

Herr Volkert arbeitet an der Regelschule 14 (Schillerschule) in Erfurt als Klassenelternsprecher und Vorsitzender des Schulfördervereins seit vier Jahren. Dazu kam seit dem letzten Jahr die Aufgabe des Schulelternsprechers und seit diesem Jahr die des stellv. Kreiselternsprechers der Regelschulen in Erfurt dazu.
Er ist auch in der Landeselternvertretung tätig und ist engagiert in verschiedenen Ausschüssen der Stadt Erfurt. Er will auf kommunaler Ebene wie auch über das Kultusministerium "... das Bestmögliche für unsere Kinder und Jugendlichen rausholen können. "

Hier sein Bericht:

Unsere Schule hat vor dreieinhalb Jahren im Rahmen von Schulzusammenlegung von drei Regelschulen auch die Möglichkeit in Anspruch genommen, in der ersten Phase der Erprobung von Eigenverantwortlicher Schule in Thüringen beides mit zu verbinden.
Dies war ein schweres und steiniges Unterfangen in der Anfangszeit, was nur gemeinsam mit allen vier Säulen der Schule ( Schüler, Lehrer, Eltern und Partner außerhalb der Schule) gelingen kann. Und aller Anfang war schwer.
Alleine das Lehrerkollegium zu überzeugen war sehr schwer! Denn wir Eltern waren eigentlich sehr früh davon überzeugt, auch in Hinsicht der PISA-Auswertungen, das nur dieser Weg der richtige sein kann, um unsere Kinder besser bilden und schulen und das Interesse an Schule wieder wecken zu können. So haben wir Eltern von Anfang an als gleichberechtigte Partner zu- und mitgearbeitet und wurden in den Profilgruppen, den Lehrerkonferenzen und Schulkonferenzen sofort mit eingebunden und zur Mitarbeit aufgefordert.
So wurden frühzeitig Mängel oder Probleme aufgedeckt, die man seitens der Lehrer oder der Schüler so schnell hätte garnicht sehen können. .
Auch die Schüler waren von Anfang an begeistert dabei und haben viele positive Aspekte von ihrer Seite mit eingebracht, was über einen längenen Zeitpunkt dazu führte, dass Lehrer und Eltern feststellen mussten, dass die Schüler in vielen Schwerpunkten der schulischen Arbeit schon weiter waren, als wir uns eingestehen wollten.
So haben wir über die zurückliegenden Jahre unser Konzept immer wieder überarbeitet und haben heute schon große Erfolge zu verzeichnen.
Es gibt neben den Fachfächern auch ein Fach, was sich "Lernen lernen" nennt, wo den Schülern vermittelt wird, wie man erfolgreich und effektiv lernen kann, weiterhin die Freiarbeit, wo die Schüler selbstständig Aufgaben zu lösen und zu erledigen haben, die Ihnen gestellt werden, um später für die Projektarbeit in den Klassen 9 und 10 gerüstet zu sein.
Auch Fachübergreifenden Unterricht und Blockstundensystem von Schwerpunktfächern sind wir angegangen, wo die Initative von den Schülern kam, da sie mit den 45minütigen Unterricht nicht mehr hinkamen und selber solche Vorschläge machten.
So liegen Schwerpunktfächer meisten an den Vormittagen und andere Fächer an den Nachmittagen der jeweiligen Schultage.
Das Lehrerkollegium ist in Teams unterteilt, um so auch Ausfallstunden gering zu halten. Denn durch die Teams wissen die anderen Kollegen, wie weit man im Lehrstoff der einzelnen Klassen steht und so eben durch fachübergreifenden Unterricht die Kollegen für eine gewisse Zeit ersetzen kann.
Auch haben wir gemeinsam bis Ende Mai in der Schulkonferenz beschlossen, wie wir das neue Schuljahr angehen wollen und wo Schwerpunkte gesetzt werden müssen, um weiter voran zu kommen und in Eigenverantwortlichkeit zu arbeiten.
Das Schulamt ist für uns auch keine übergeordnete Institution mehr, sondern gleichgestellter Partner, mit dem über einen zeitlichen Rahmen von zwei Jahren Zielvereinbarungen abgeschlossen werden. Und in diesen Zielvereinbarungen werden konkrete Aufgaben gestellt, wo auch persönlich Bindungen mit Namen und Hausnummer von beiten Seiten festgelegt werden. So können zumindest wir in unserer Schule dann auch in einem größeren Zeitrahmen planen und effektiv arbeiten.
Dies alles setzt aber am Anfang viel Verständnis von allen Seiten voraus und auch viel Aufopferung und Freizeit, die dabei verloren geht. Aber es lohnt sich, wenn man sich am Schuljahresende die Ergebnisse anschaut und die erfolgreich bestandenen Prüfungen im Haupt- und Regelschulteil.
Wir haben uns auch Partner aus der freien Wirtschaft ins Boot geholt haben, ebenso auch berufsbildende Schulen, damit ab der 5.Klasse schon berufsorientierte Praktikas von 2x 14Tagen im Jahr gemacht werden können, und so die Schüler erstmals Eindrücke bekommen von verschiedenen Berufen und Berufsrichtungen.
Auch so manche Projekte können nur mit Hilfe der Partner aus der freien Wirtschaft ins Leben gerufen werden und dann auch realisiert werden.
Das soll ein kurzer Abriss unserer Arbeit an unserer Schule sein.
Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Henrik Volkert

Unsere Meinung: Mitbestimmung braucht Rahmenbedingungen, verordnet werden kann sie nicht. Hier wächst sie von unten und wir gratulieren Herrn Volkert und seinen Eltern. Macht weiter so.

» BLLV fordert Abschaffung der Zwischenzeugnisse / BLLV-Präsident Wenzel plädiert für verantwortungsvolle „Schulfamilien “/ „Vertrauensvolle Gespräche mit Eltern bringen mehr als Ziffernnoten“
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
(Verbandspresse, 12.02.2008 13:37)
(München) - Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, hat wenige Tage vor dem Zeugnistermin gefordert, die Halbjahreszeugnisse abzuschaffen. „In der Regel sind die Informationen in diesen Zwischenberichten bekannt. Eltern können gut darauf verzichten“, erklärte Wenzel. „Wichtiger ist es, dass sich Eltern und Lehrpersonen regelmäßig in Gesprächen austauschen und ihre gemeinsame Ver-antwortung für die Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen wahrnehmen.“ Dies setzt eine stabile Vertrauenskultur voraus, die sich in „Schulfamilien“ entwickeln kann. „Wenn die Bildungs- und Erziehungsprozesse für alle Kinder und Jugendlichen gut gelingen sollen, müssen sich alle Erwachsenen im Umfeld der Schule ihrer Verantwortung bewusst sein. Dazu gehören Eltern und Lehrer, aber auch Vertreter der Kommune, der örtlichen Wirtschaft und der Beratungs- und Fürsorgeeinrichtungen. Die gegenseitige Information und Unterstützung in dieser `Schulfamilie´ würde letztlich zu einer Entlastung aller Beteiligten und zu besseren Erziehungs- und Bildungserfolgen führen“.

Wenzel forderte alle Eltern auf, bereits vorhandene Gesprächsangebote der Schule zu nutzen und nicht nur in Konfliktfällen den Kontakt zur Schule zu suchen. „Regelmäßige Gespräche stabilisieren das Vertrauensverhältnis und erleichtern einen offenen Gedankenaustausch.

Durch regelmäßige Kommunikation können mehr Informationen transportiert werden als durch die im Wesentlichen aus ein paar Ziffern bestehenden Zwischenzeugnisse.“

Im Hinblick auf den bevorstehenden Zeugnistermin bat der BLLV-Präsident die Eltern, „das Zeugnis ihrer Kinder nicht über zu bewerten und ihre Zuwendung nicht von Noten abhängig zu machen. Allerdings ist es für Schülerinnen und Schüler wichtig, dass sich die Eltern für ihr Zeugnis interessieren und es ernst nehmen. Wenn sie ihre Freude über gute Noten zeigen, spornen sie ihre Kinder an und motivieren sie. Weniger gute Noten dürfen jedoch nicht bestraft werden. Grundschulkinder reagieren besonders sensibel auf Vorwürfe und Enttäuschung.“

In vielen Familien lösen schlechte Noten Spannungen aus und die Kinder fühlen sich Schuld daran. Der BLLV-Präsident: „Das kann eine starke Last sein, an der Kinder schwer zu tragen haben. Nicht nur, dass sie den Erwartungen ihrer Eltern nicht entsprechen, sie fühlen sich auch verantwortlich für häuslichen Unfrieden, oftmals sogar Streit und Tränen. Eltern müssen sich in so einer Situation klar machen, dass ihr Kind nicht mit Absicht `versagt´ hat. Es leidet selbst am meisten unter seinen schlechten Leistungen.“

Lehrerinnen und Lehrer sind im Moment leider gezwungen, Noten zu vergeben, obwohl sie wissen, dass sie wenig über den tatsächlichen Leistungsstand und individuellen Lernfortschritt eines Schülers aussagen. Auch sie wünschen sich mehr Zeit und leiden unter dem Diktat einer pervertierten, auf Noten und Berechtigungen fixierten Lernkultur.

Eltern und Lehrer können nur gemeinsam an Politik appellieren, endlich umzudenken und die individuelle Förderung aller Kinder in den Mittelpunkt ihrer Bemühungen zu stellen. Dazu sind kleinere Klassen und mehr Lehrer/innen erforderlich.
Quelle/Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
eMail:   bllv@bllv.de
Internet: http://www.bllv.de

Dass seitens des Kultusministeriums die engagierte Arbeit von Eltern in der Schule für die Schule - im Gegensatz zur Rede des Kultusministers auf dem 4. Thüringer Bildungssymposium - als wenig verdienstvoll angesehen wird, zeigen die Ergebnisse der Auszeichnung mit dem Meister- Eckhart- Brief.

Die Stellungnahme der Landeselternvertretung spricht für sich:

Erklärung der Landeselternvertretung Thüringens

zur Vergabe der Meister-Eckhart- Briefe 2006

Die Landeselternvertretung gratuliert allen Nominierten und bedankt sich im Namen der Thüringer Elternschaft für ihr langjähriges verantwortungsvolles Wirken für die Thüringer Bildungslandschaft.
Dennoch haben wir mit Befremden die diesjährige Preisträgerliste des Thüringer Kultusministers zu Kenntnis genommen. Abertausende Schulklassen haben Klassenelternsprecher.
An fast tausend staatlichen Schulen Thüringens leisten Schulelternsprecher hervorragende Arbeit.
Über 180 Kreiselternsprecher aller sechs staatlichen Schularten wirken auf den Ebenen der 13 Schulamtbereiche.

Kein im Sinne des Thüringer Schulgesetztes gewählter Elternsprecher Thüringens konnte die Anforderungen der Vergabejury erfüllen.

Stattdessen kommt der Kultusminister nicht umhin, in seiner Presseerklärung vom 04.05.2006 die Bemerkung zu verwenden: „Wobei die Schule allerdings nicht wettmachen könne, was Eltern versäumten.“

Wir halten diese Bemerkung am Vorabend der Auszeichnungsveranstaltung für unangemessen und kommen nicht umhin, sie mit der Ignorierung der ehrenamtlichen Arbeit von abertausenden gewählten Elternsprechern bei der Preisvergabe in Zusammenhang zu sehen.
Ohne Zweifel bestehen Defizite in der Kommunikation zwischen Eltern und Schule.
Ohne Zweifel ist Schule gefordert, Erziehungsversäumnisse im Elternhaus und Defizite bei der Wertevermittlung auszugleichen.
Aber genau das ist in der Gegenwart verstärkt Aufgabe von Schule.
Viele Elternsprecher aus allen Regionen Thüringens werden am 6. Mai am 4. Thüringer Bildungssymposium teilnehmen und sich aktiv an allen Diskussionen um unsere Schule beteiligen.
Auch die Landeselternvertretung.
Bis zum 04.05.2006 war es dem Thüringer Kultusministerium nicht möglich, der Landeselternvertretung die Einladungskarten zum Festakt zuzuleiten.
Der Verleihungszeremonie im Barocksaal der Thüringer Staatskanzlei wird die Landeselternvertretung deshalb demonstrativ fernbleiben.

4. Mai 2006

Uwe Röpcke
Gemeinsamer Landeselternsprecher

2. die neue Landeselternvertretung , die Schülervertretung

Bei Fragen an die neu gewählte Landeselternvertretung wenden Sie sich bitte an:

Landeselternvertretung Thüringen

Wahlperiode 2008 – 2010

(Wahltag 15.11.2008)

  • Landeselternsprecher Grundschule
    • Herr Alexander Grimm — Vorsitzender der Landeselternvertretung
  • stellv. Landeselternsprecherin Grundschule
    • Frau Sylke Wolf
  • Landeselternsprecherin Gesamtschule
    • Frau Carmen Frey — stellv. Vorsitzende der Landeselternvertretung
  • stellv. Landeselternsprecher Gesamtschule
    • Herr Andreas Pusch
  • Landeselternsprecher Regelschule
    • Herr Sven Senier
  • stellv. Landeselternsprecherin Regelschule
    • Frau Simone Bocklisch
  • Landeselternsprecher Förderzentrum/Förderschule
    • Herr Dietmar Lundstroem
  • stellv. Landeselternsprecher Förderzentrum/Förderschule
    • Herr Mario Thiel — stellv. Vorsitzender der Landeselternvertretung
  • Landeselternsprecher Gymnasium
    • Herr Roul Rommeiß
  • stellv. Landeselternsprecherin Gymnasium
    • Frau Peggy Katzer
  • amtierender Landeselternsprecher staatliche berufsbildende Schule
    • Herr Andreas Mächt (Wahl erfolgt in Kürze)
Gemäß der Thüringer Verordnung über die Mitwirkung der Landesschülersprecher, der Landeselternsprecher und des Landesschulbeirats (Thüringer Mitwirkungsverordnung - ThürMitwV0 -) Vom 14. November 1996 (GVBl. S. 303) §6 kann die Landeseltervertretung aus ihrer Mitte einen gemeinsamen Landeselternsprecher und zwei Stellvertreter wählen.

Als gemeinsamer Landeselternsprecher wurde gewählt:

Herr Alexander Grimm.

Herzlichen Glückwunsch!

Hier finden Sie alles zur neuen Landeselternvertretung: http://www.lev-thueringen.de/

Bei Fragen an die neugewählte Landesschülervertretung wenden Sie sich bitte an:

Die neue Landesschülervertretung:

Förderschulen
  • Christiane Kaiser, FÖS - Apolda
  • Christopher Wehrmann, FÖZ 1 - Erfurt
Regelschulen
  • Sindy Kahn, Lessingschule - Erfurt
  • Christoph Zimmermann, RS - Breitungen
Gymnasien
  • Louisa Korschinek, Königin-Lusie-Gymnasium - Erfurt
  • Stephanie Heß, Arnoldi - Gymnasium - Gotha
Berufsbildenden Schulen
  • Michael Jacobi, SBSZ Meiningen - Schmalkalden
  • Belinda Schmidt, SBSZ - Ruhla
Gesamtschulen
  • Stefanie Gehrmann, KGS Herzog-Ernst - Gotha
  • Stefan Carow, KGS Herzog-Ernst - Gotha

Am 12. Dezember wurde in geheimer Wahl Christoph Zimmermann zum gemeinsamen Vorsitzenden der Landesschülervertretung im Freistaat Thüringen gewählt.


Sie vertreten die Schüler aller Schularten auf Landesebene, sind zwei Jahre im Amt und arbeiten ehrenamtlich:

Die Landesschülervertretung ist über ihre Geschäftsstelle in 99096 Erfurt, Werner-Seelenbinder-Straße 7, Tel. 03 61-37 94 701/702, Fax: 03 61-37 94 690, E-Mail: info@lsv-thueringen.de erreichbar.

Der Bundeselternrat (BER) sieht Eltern und Schule so:

16.11.2003

Resolution der Herbstplenartagung vom 14.-16.11.2003 in Bad Hersfeld

Eltern und Schule in einer sich verändernden Schule

Der Bundeselternrat sieht in einer gleichwertigen Partnerschaft zwischen Schülern, Lehrern und Eltern eine wesentliche Voraussetzung für gelingende Bildung und Erziehung der Kinder und Jugendlichen.
Elternbeteiligung darf keine Alibifunktion haben. Eltern sind für die Schulen wichtig.

Ohne eine gut funktionierende Partnerschaft zwischen Schule und Elternhaus können Kinder und Jugendliche nicht optimal gefördert werden. Dies bestätigen auch die Ergebnisse der PISA-Studie.
Schulen, in denen die Zusammenarbeit zwischen Schülern, Lehrern und Eltern funktioniert, zeichnen sich durch bessere Leistungen und eine größere Zufriedenheit der Beteiligten aus.
Verantwortliches Leben, Lernen und Lehren mit Kindern und Jugendlichen stellt wachsende Anforderungen an Bildung und die Erziehung durch Eltern und Lehrerinnen und Lehrer.
Die Rahmenbedingungen in den Ländern sind für eine Zusammenarbeit nicht ausreichend und höchst unterschiedlich. Eltern erhalten zu wenige Informationen über die Lernentwicklung ihrer Kinder. Die Kontaktaufnahme zwischen Schule und Elternhaus ist zu stark defizitorientiert und zu wenig begleitend.
Die gegenseitige Unterstützung und Information hat keine ausreichende Tradition in Deutschland. Andere Staaten setzen erfolgreich Modelle der Partnerschaft um.
Die Zusammenarbeit aller muss von gegenseitiger Wertschätzung, respektvollem Umgang miteinander und Gleichberechtigung geprägt sein.

Der Bundeselternrat fordert deshalb:

  • Zusammenarbeit auf gleicher Augenhöhe und mit gleicher Verbindlichkeit
  • für alle Eltern qualifizierte Informationen zum Lern-, Leistungs- und Sozialverhalten ihrer Kinder
  • Einbeziehung der Eltern in die Erstellung und Fortschreibung individueller Förder- und Bildungspläne an allen Bildungseinrichtungen Beratung und Einbindung der Eltern in die Gestaltung der berufs- und studienvorbereitenden Maßnahmen und beruflichen Bildung
  • den ständigen Dialog, der auch sicher stellt, dass Probleme zeitnah und lösungsorientiert angesprochen werden
  • Eltern mit anderem kulturellen Hintergrund müssen in diesen Dialog stärker einbezogen werden.
  • Eltern mit geringen Erziehungskompetenzen müssen gestärkt werden und Hilfen - auch in Zusammenarbeit z.B. mit der Jugendhilfe - bekommen.
  • Elternberatung und Elterngespräche müssen verpflichtender Bestandteil der Tätigkeit des Lehrers sein und zeitlich so gelegt werden, dass sie von den Eltern wahrgenommen werden können.
  • Schulen müssen die Zeit, die Ressourcen und die Räume erhalten, um eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern leisten zu können.
  • Zusammenarbeit mit Eltern muss Gegenstand der Lehrerbildung werden.
Jede Schule muss für sich die Zusammenarbeit zwischen Lehrern, Eltern und Schülern eigenverantwortlich entwickeln, optimieren und regelmäßig Rückmeldungen aller einholen.

Die Diskussion um Erziehung in den Schulen und die Erziehungsvereinbarungen, die mit den Eltern getroffen werden können, müssen aus einer vertrauensvollen Zusammenarbeit erwachsen. Erziehungsvereinbarungen müssen freiwillig und partnerschaftlich ausgehandelt werden. Die Gremien der Schulen sind in diesen Prozess einzubeziehen.
Neben der Stärkung der einzelnen Eltern müssen die Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte der Eltern und Schüler erweitert werden. Dazu gehören:

- Paritätische Besetzung des über die Angelegenheiten der Schule entscheidenden Gremiums
- Einbeziehung und Information der Eltern von Schülern, die bereits das 18. Lebenjahr vollendet haben
- Qualifizierung der Eltern durch Fortbildung
- Entwicklung von nationalen Mitbestimmungsstandards

Die Weiterentwicklung des Bildungssystems benötigt professionelle Evaluation des Systems Schule, damit die Mitbe- stimmungsgremien, die Kultusminister sowie andere Entscheidungsträger Handlungsgrundlagen erhalten.

Die Tätigkeit der Elternvertretungen bis hin zum Bundeselternrat muss über angemessene Haushalte abgesichert werden.

Die Bedeutung und die Rolle der Elternvertreter erfordert eine entsprechende Würdigung. Deshalb fordert der Bundeselternrat die Anerkennung als öffentliches Ehrenamt

Lückenfüller

Eine schlechtere Ausbildung von angehenden Lehrern befürchtet die Thüringer Lehrergewerkschaft GEW. Sie warnt besonders davor, dass die derzeit 596 Lehramtsanwärter ab Februar Personallücken füllen.

THÜRINGEN. Lehrer sind auch irgendwann Anfänger. Sie heißen dann Referendare. In Thüringen dürfen sie auch kräftig unterrichten. Neuerdings ganz allein.

Während früher Lehrer-Lehrlingen bei ihren ersten Unterrichtsversuchen ständig erfahrene Lehrer beistanden, soll das jetzt nur noch begrenzt so sein. Ab Februar sollen die Referendare bis zu zehn Stunden pro Woche allein vor der Klasse stehen. Die Folgen sind krass.

Das Kultusministerium teilte den Schulen jetzt mit, dass selbstverständlich die angehenden Lehrer auch Zensuren erteilen. Im Zweifel müsse eben eine Klassenarbeit nochmal geschrieben werden, heißt es. Andreas Stötzer, Lehrer am Otto-Schott-Gymnasium Jena, meint, dass man kein Hellseher sein muss, um vorauszusagen, dass sich dann empörte Eltern beschweren. Schließlich sind die Zugangsbedingungen fürs Gymnasium streng. Viel entscheidet sich an Zensuren und oft muss der Lehrer sagen, ob er dem Schüler ein Abitur zutraut oder nicht. Schwer schon für Profis.

Doch Ärger droht den Referendaren nicht nur von den Eltern, sondern auch von den künftigen Kollegen. Denn die jungen Leute sind billige und die erfahrenen Profis teure Lückenfüller. Wo junge Leute vor den Klassen stehen, werden dann die älteren Kollegen zumindest zeitweise dorthin geschickt, wo schon lange Not am Mann ist, auch in die Berufsschulen. Das Land konnte so eine ganze Menge Neueinstellungen ausfallen lassen. Es spart laut GEW jährlich 165 Lehrerstellen und über 5,4 Millionen Euro.

Die Hintergründe sind leicht erklärt. Der Thüringer Durchschnittslehrer ist 48 Jahre. Tausende gehen bis 2015 in Rente. Doch die Ausbildung ist lang und dauert bis neun Semester. Dann folgt das zweijährige Referendariat. Unsinnigerweise sind dort die Plätze knapp. Das Land verwaltet sie und teilt ein. Von etwa 300 Bewerbern, die Gymnasiallehrer werden wollen, bekamen voriges Jahr 59 einen Platz. 52 Lehrerstudenten gingen an Grundschulen, dabei werden schon nächstes Jahr 155 gebraucht. Und der Bedarf steigt. Das Kultusministerium versucht immerhin zu reagieren. Wurden im vorigen Herbst noch 172 Referendare eingestellt, waren es jetzt mehr als doppelt so viele. Von 424 spricht das Ministerium. Das kann sogar die GEW nicht so schlecht finden. Aber es reicht nicht und die Bedingungen der Ausbildung sind fragwürdig.

"Irgendwann muss es doch auch ein neuer Kollege lernen", heißt es im Ministerium. Nur, von wem eigentlich?

TA, 01.12.06

Internetberatung spielt eine zunehmende Rolle:

Eine wichtige Hilfe für Eltern und Pädagogen wurde mit dieser Suchmaschine ins Netz gestellt:

Unter http://www.zukunftsnavigator.de/index.php finden Sie eine Fülle von Informationen zu Bildung und Karriere, und Sie sind aufgerufen, diesen Zukunftsnavigator mit Ihren Netzkenntnissen mitzugestalten.

Eine Hilfe für Eltern:

Das Elterntelefon ist ein bundesweites telefonisches Gesprächs-, Beratungs- und Informationsangebot, das Eltern in den oft schwierigen Fragen der Erziehung Ihrer Kinder schnell, kompetent und anonym unterstützt.
Am Elterntelefon können Sie über ihre alltäglichen Sorgen, Ängste oder Unsicherheiten im Umgang mit Kindern sprechen und Unterstützung bei der Lösung von Problemen erhalten.


Und auf diesen Seiten haben wurde alles Wissenswerte über das Angebot zusammengestellt:
www.nummergegenkummer.de

 

Immer mehr Jugendliche und Eltern suchen bei Konflikten in der Familie Rat im Netz...

Auch die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) wird immer mehr zur gefragten virtuellen Anspruchstelle:

Das Angebot der Online-Beratung ist anonym. Wenn ein massiver Vertrauensbruch in der Familie zu verzeichnen ist, bietet die sowohl auf Jugendliche wie auch ihre Eltern zugeschnittene Onlineberatungsstelle oft den letzten Ausweg. Neben der zunehmenden Zahl jugendlicher Nutzer spielt auf der Elternseite der Selbsthilfe-Aspekt eine große Rolle. Lösungsangebote von anderen Betroffenen zu bekommen, die gleiche Fragen und Probleme haben, wirkt der oft zu verzeichnenden Hilflosigkeit und Selbstaufgabe entgegen. Die Die Beratungsangebote reichen von Einzelberatungen per Mail über Chats zu bestimmten Themenbereichen und offenen Gruppenchats bis hin zu Foren.
Es betreuen 72 Fachkräfte aus ganz Deutschland online die Anfragen und Beiträge der Ratsuchenden unter www.bke-beratung.de